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Geschichte der Sammlung

Kanonikus Franz PickDie Münzsammlung des Akademischen Kunstmuseums geht zurück auf das Jahr 1819, und zwar auf den Erwerb der römischen Münzen des Canonikus Franz Pick durch die 1818 gegründete Universität Bonn. Pick zählte damals - neben F.F.Wallraf in Köln - zu den bedeutendsten Sammlern von Antiken im Rheinland.

Über seinen Besuch bei Pick schreibt J.W. v. Goethe in einem Brief an Staatsminister von Schuckmann: „ Picks Sammlung .... vom Platze rücken, hieße sie zerstören, wie man umgekehrt die Wallrafische translokieren muß, um etwas daraus zu machen“. Und in seiner Schrift „ Über Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden“, Stuttgart 1816 vermerkt Goethe:„ Dieser heitere, geistreiche Mann hat alles und jedes, was ihm als althertümlich in die Hände kam, gewissenhaft gesammelt“, und weiter „Kupferstiche und Münzen, nach Jahren und Ländern geordnet“.

Als diese Sammlung nach dem Tode von F. Pick am 27. August 1819 versteigert wurde, konnte die Universität Bonnmit den von der Regierung bewilligten Geldern für die neue Hochschule sämtliche römischen Münzen Picks, und zwar fünf goldene, fünfhundert silberne und gegen zweitausend kupferne für 1500 Francs ersteigern“. Sie wurden summarisch erfaßt in dem "Verzeichnis der vorzüglichen Theile der Sammlung von Kunst-Gegenständen und Alterthümern des Herrn Canonicus Pick, Bonn 1819" mit dem Zusatz - "eine große Seltenheit, alle in der Nähe von Bonn gefunden".

Dieser Erwerb war der erste Ankauf, den die neu gegründete Universität Bonn getätigt hat.

Pick und Wallraf hatten zunächst gemeinsam gesammelt. Später haben sich ihre Wege aber getrennt. Dabei wurden die Münzen unter ihnen aufgeteilt. Die Münzen von Wallraf gingen schließlich in den Besitz der Stadt Köln über und befinden sich heute im Römisch-Germanischen Museum. Die Münzen, die Pick erhielt, und diejenigen, die er weiter bis zu seinem Lebensende zusammengetragen hat, stammten hauptsächlich aus Funden „in und um Bonn“, wie insbesondere „aus dem Feld am Wichelshof“, also dem Gebiet des römischen Lagers im Norden der Stadt, wo Pick als einer der Leiter der Ausgrabungen tätig gewesen war.

Nach weiteren Ankäufen umfasste die Sammlung des Akademischen Kunstmuseums im Jahr 1827 bereits über 6000 Münzen. Sie wurden im Jahr 1836 in einem eindrucksvoll gestalteten Inventar erfasst, das von dem Bibliothekar D. Krosch erarbeitet wurde. Das Inventar erfaßte bei den griechischen Münzen 1 in Gold, 58 in Silber und 174 in Kupfer, bei den römischen Münzen 5 in Gold, 1221 in Silber und 3151 in Kupfer (D. Krosch, "Übersicht der Münzsammlung" in F.G. Welcker, Das Akademische Kunstmuseum zu Bonn, Bonn 1841, Beilage III).  Auf D. Krosch gehen wohl auch die "alten Inventarnummern", die sich auf den Vorderseiten vieler römischer Münzen befinden, zurück. Wie hoch der Einsatz von F.G. Welcker, dem ersten Direktor des Akademischen Kunstmuseums, und wie hoch die Münzen der Sammlung seinerzeit geschätzt wurden, ergibt sich daraus, daß Th. Mommsen sein Werk „Geschichte des Römischen Münzwesens“, Berlin 1860, F.G. Welcker gewidmet hat.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhöhte sich der Bestand - wie G. Loeschcke, der Direktor des Akademischen Kunstmuseums in der Uni-Chronik  1902 schrieb - auf "nahezu 10000 Stück". Dann trat, wie er in einem Brief an das Universitäts-Curatorium vom 15. Mai 1902  beklagte „Stillstand ein, ja, die Sammlung geriet in derartige Unordnung, dass ihre Benutzung nahezu ausgeschlossen war“. Auf seine Initiative wurde daraufhin die Sammlung der Verwaltung des Kunstmuseums unterstellt, ein Schrank zu ihrer Aufbewahrung angeschafft und durch  Privatdozent Dr. M. L. Strack sachkundig geordnet. "Damit wurde" - so Loeschcke in der Uni- Chronik 1902 weiter - "der Universität ein höchst wertvolles Lehrmittel ... neu geschenkt“.

Waren im frühen 19. Jahrhundert Münzen, die in und um Bonn gefunden wurden, dem Akademischen Kunstmuseum übergeben worden , so gingen neue Funde später an das 1820 gegründete "Rheinische Museum vaterländischer Alterthümer", dem Vorläufer des heutigen Rheinischen Landesmuseums, Bonn. In dieses Museum gingen - auf Inititiatve von Hofrat Dr. W. Dorow - die Inschriftensteine und alle anderen Aniken aus der Sammlung des Kanonicus F. Pick. Nach der Abberufung von Dr. W.Dorow wurde dieses Museum von A.W. von Schlegel geleitet. Die Funde wurden im Hauptgebäude der Universität ausgestellt, bis diese Sammlung in den Jahren 1866/7 gänzlich als ein Universitätsinstitut angesehen wurde (M Gechter, "Das römische Bonn - ein historischer Überblick", in M. van Rey (Hrsg.), Bonn von der Vorgeschichte bis zum Ende der Römerzeit, Bonn 2001 ,S.35-133). In dem bereits erwähnten Inventar der Münzsammlung von 1836 wurden sowohl die von der der Universität erworbenen Münzen, insbesondere die aus der Sammlung F. Pick, als auch die des Museums Rheinischer Alterthümer erfaßt. Unter dem Ziel, ein eigenes Provinzialmuseum zu schaffen, gründete sich im Jahr 1841 der "Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande" mit Sitz in Bonn, der seinseits in und um Bonn gefundene Antiken erwarb. So ist es nicht ausgeschlossen, daß im Verlauf des 19. Jahrhunderts Münzen, insbesondere bei der Trennung von Provinzialmuseum und Universität im Jahr 1874,  aus Sammlung des Akademischen Kunstmuseums, insbesondere Dubletten, an das Museum Rheinischer Alterthümer gegeben wurden. Jedenfalls wurden im Jahr 1937 mit Genehmigung sowohl des Kuratoriums als auch des Ministeriums "2400 Münzen der römischen Kaiserzeit (Dubletten) mit dazugehörigem Verzeichnis und Kisten uninventarisierter Kupfermünzen, größenteils der Kaiserzeit" an das Landesmuseum Bonn abgetreten. 

Schon in dem Inventar von 1836 waren - wie bereits erwähnt - 233 griechische Münzen erfaßt worden. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Münzsammlung des Akademischen Kunstmuseums aber im wesentlichen aus römischen Münzen. Im Jahr 1922 kam durch ein testamentarisches Vermächtnis eine umfangreiche Sammlung griechischer Münzen hinzu - insgesamt  342 Exemplare, die der Marburger Archivar H. Reimer zusammengetragen hatte.

Diese Erweiterung wurde zum Anlaß genommen, die Münzen, die zu dieser Zeit dem Akademischen Kunstmuseum gehörten, in einem neuen Inventar, das vermutlich um 1925 erstellt wurde, zu erfassen. Dieses Inventar baute auf den früheren Arbeiten von Dr. M. L. Strack auf. Es erfasste die griechischen Münzen, einschließlich der Provinzialprägungen und sog. Alexandriner (941 Münzen), die römisch-republikanischen Münzen (292 Münzen) und die Münzen der Kaiserzeit (3402 Münzen). In dem Inventar sind - im Gegensatz zu dem Inventar von 1836 - die byzantinischen Münzen, die Fälschungen, die Imitationen und die  Paduaner gesondert erfaßt. Nicht berücksichtigt sind dagegen die Elektrotypen aus der Sammlung H. Reimer, die neuzeitlichen Münzen und Medaillen sowie vor allem die umfangreiche Sammlung an Gips-, Hartwachs- und Metallabgüssen. Dieses Inventar wurde  1937 - vermutlich mit der Übergabe der erwähnten 2400 Münzen an das Rheinische Landesmuseum - überprüft und auf den neuen Stand gebracht.

Der 1996 gegründete Förderverein des Akademischen Kunstmuseums hat sich – neben der Restaurierung des Museumsgebäudes – auch für die Münzsammlung engagiert. Der Verein, aber auch einzelne seiner Mitglieder haben dazu beigetragen, daß die Sammlung um rd. 600 Stücke erweitert wurde. Bei den Anschaffungen ging es vor allem um Münzen, die von griechischen Städten oder hellenistischen Herrschern ausgegeben und bisher in der Sammlung kaum vertreten waren. Es kamen aber auch Münzen und numismatische Materalien hinzu, die für die Lehre  und die moderne numismatische Forschung von Interesse sind.

Die Sammlung des Akademischen Kunstmuseums umfasst heute rd. 1450 griechische und rd. 4000 römische Münzen (einschließlich der Provinzialmünzen ). Nach wie vor liegt damit der Schwerpunkt der Sammlung bei den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erworbenen Fundmünzen. Von diesen sind allerdings rd. 1000 Stücke, die wegen ihres schlechten Erhaltungszustands für den akademischen Unterricht nicht geeignet sind, bei der jetzigen Erfassung noch außer Betracht geblieben. Gleichwohl ist der Charakter der Sammlung auch bei der neuen Inventarisierung gewahrt. Denn es handelt sich nach wie vor um Silber- und Bronzemünzen, die bei Funden überwiegen. Auch die Münzen des Gallischen Sonderreichs sind zahlreich vertreten. Bei den spätantiken Münzen fällt auf, daß die Münzstätten in der Regel im westlichen Teil des römischen Reichs lagen. Insoweit kann gesagt werden, daß die Sammlung den Geldumlauf im Rheinland zu römischer Zeit widerspiegelt.