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Geschichte der Sammlung

 

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Die Münzsammlung des Akademischen Kunstmuseums geht zurück auf das Jahr 1819, und zwar auf den Erwerb der römischen Münzen des Canonikus Franz Pick durch die 1818 gegründete Universität Bonn. Pick zählte damals - neben Ferdinand Franz Wallraf in Köln - zu den bedeutendsten Sammlern von Antiken im Rheinland. F. Pick und F.F. Wallraf waren befreundet. Auch bei dem Erwerb von Münzen und Medaillen standen sie miteinander im Kontakt. Die Münzsammlung von F.F. Walllraf ging später in den Besitz der Stadt Köln über und befindet sich heute im Römisch-Germanischen Museum. Seine 3876 römischen Münzen machten den größten Teil seiner Münzsammlung von insgesamt 5958 Stück aus (G. Quarg, Ferdinand Franz Wallraf als Münzsammler und Numismatiker, Begleitheft der Ausstellung zum 250. Geburtstag, Kreissparkasse Köln, September 1998, S. 9). Einen annähernd gleichen Umfang hatte die Sammlung von F. Pick. Über seinen Besuch bei F. Pick schrieb J.W. v. Goethe in einem Brief an Staatsminister von Schuckmann: Picks Sammlung ... vom Platze rücken, hieße sie zerstören, wie man umgekehrt die Wallrafische translokieren muß, um etwas daraus zu machen. Und in seiner Schrift Über Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden, Stuttgart 1816 vermerkt Goethe: Dieser heitere, geistreiche Mann hat alles und jedes, was ihm als althertümlich in die Hände kam, gewissenhaft gesammelt, und weiter Kupferstiche und Münzen, nach Jahren und Ländern geordnet. In seinen letzten Lebensjahren hatte sich F. Pick bemüht, seine Kunstsammlung als Ganzes zu verkaufen. Für den Erhalt der Sammlung hatte sich auch F.W. von Schlegel in einem Artikel im 1. Band des Jahrbuchs der Preußischen Rhein-Universität ausgesprochen. Der preußische Finanzminister wollte aber kurz nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon die geforderten 20.000 Taler nicht aufbringen, sondern bewilligte nur 400 Taler für den Erwerb der römischen Antiquitäten. Kurz vor der Versteigerung starb F. Pick am 16. Juni 1819. Als seine Sammlung am 27. August 1819 versteigert wurde, konnte die Universität Bonnmit den von der Regierung bewilligten Geldern für die neue Hochschule sämtliche römischen Münzen Picks, und zwar fünf goldene, fünfhundert silberne und gegen zweitausend kupferne für 1.500 Francs ersteigern. Die römischen Inschriftensteine und alle anderen Antiken erwarb H. Dorow von den Erben F. Picks. Sie befinden sich heute in den Beständen des Rheinischen Landesmuseums Bonn (M. Gechter, Das römische Bonn, in M. van Rey (Hrsg.), Geschichte der Stadt Bonn, Band I, 2001, S.36). Für die Versteigerung wurde die Sammlung von F. Pick in dem Verzeichnis der vorzüglichen Theile der Sammlung von Kunst-Gegenständen und Alterthümern des Herrn Canonicus Pick, Bonn 1819 erfasst. Im Einzelnen werden aufgezählt: 8 griechische Silbermünzen, worunter ein großer Alexander; 65 Münzen der römische Republik; 402 silberne und 534 kupferne Münzen der römischen Kaiserzeit von Augustus bis Honorius, sowie mehr als 1.000 Stücke in kleinerem Format von Diocletianus, Valentinus, Tacitus, Constantinus etc. etc. mit dem Zusatz eine große Seltenheit, alle in der Nähe von Bonn gefunden. Mit dem Ausbau Bonns zur Residenzstadt im 18. Jahrhundert war man immer wieder auf Überreste aus römischer Zeit gestoßen. Besonders die Felder beim Wichelshof im Norden der Stadt, also in dem Gebiet des früheren römischen Legionslagers, waren an Kleinfunden, vor allem an Münzen sehr ergiebig. Die Münzen, die F. Pick bis zu seinem Lebensende aus Funden in der Nähe von Bonn zusammengetragen hat, stammten daher hauptsächlich aus dem Feld am Wichelshof. Als dort nach den napoleonischen Kriegen im Jahr 1817 die erste Bonner Plangrabung begann, wurde die Aufsicht - neben dem Sammler Dr. Creveld und dem Althistoriker Professor Minola -  auch F. Pick übertragen (M. Gechter a.a.O. S.37). Der Erwerb der Münzsammlung von F. Pick war der erste Ankauf, den die neu gegründete Universität getätigt hat. In diesen Jahren setzte sich auch F. G. Welcker, der erste Leiter des Akademischen Kunstmuseums, tatkräftig für die Erweiterung der Münzsammlung ein. In der Einleitung zu seinem 1827 publizierten Buch Das akademische Kunstmuseum zu Bonn erwähnt er auch die Münzsammlung: Im Herbst 1819 wurde die Münzsammlung des verstorbenen Canonicus Pick erstanden, zu welcher nachher im Frühjahr 1824 eine andere, nicht minder beträchtliche in Elberfeld hinzugekauft worden ist. Zu dieser Sammlung, die in Elberfeld erworben wurde,  veweist F.G. Welcker auf einen geschriebenen Catalog (zitiert nach W. Ehrhardt, Das akademische Kunstmuseum der Universität Bonn unter der Direktion von F.G. Welcker und Jahn, Opladen 1982, S. 158 f.). Dieser Katalog ist allerdings verloren gegangen. F.G. Welker erwähnt in diesem Zusammenhang auch eine Schenkung von 294 römischen Münzen. In seinem 1827 publizierten Buch über das Akademische Kunstmuseum berichtet F. G. Welcker schließlich, dass eine gute Anzahl Römischer Münzen theils hier am Ort, in der Nähe des Wichelshof, nach und nach ausgegraben, theils von wohlwollenden Freunden der Anstalt geschenkt wurden (F.G. Welcker a.a.O.). Insgesamt umfasste die Sammlung des Akademischen Kunstmuseums im Jahr 1827 bereits über 6.000 Münzen. Diese Münzen wurden in dem Jahr 1836 in einem eindrucksvoll gestalteten Inventar erfasst, das von dem Bibliothekar D. Krosch erarbeitet wurde. Das Inventar erfasste bei den griechischen Münzen 1 in Gold, 58 in Silber und 174 in Kupfer, bei den römischen Münzen 5 in Gold, 1.221 in Silber und 3.151 in Kupfer (D. Krosch, Übersicht der Münzsammlung, in F.G. Welcker, Das Akademische Kunstmuseum zu Bonn, Bonn 1841, Beilage III). Auf D. Krosch gehen wohl auch die , die sich auf den Vorderseiten vieler römischer Münzen befinden, zurück. Wie hoch der Einsatz von F.G. Welcker für das Museum  und wie hoch die Münzen der Sammlung seinerzeit geschätzt wurden, ergibt sich daraus, dass Th. Mommsen die Geschichte des Römischen Münzwesens, Berlin 1860, F.G. Welcker gewidmet hat. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhöhte sich der Bestand - wie G. Loeschcke, der Direktor des Akademischen Kunstmuseums in der Uni-Chronik 1902 schrieb - auf nahezu 10.000 Stück. Dann trat, wie er in einem Brief an das Universitäts-Curatorium vom 15. Mai 1902 beklagte Stillstand ein, ja, die Sammlung geriet in derartige Unordnung, dass ihre Benutzung nahezu ausgeschlossen war. Auf seine Initiative wurde daraufhin die Sammlung der Verwaltung des Kunstmuseums unterstellt, ein Schrank zu ihrer Aufbewahrung angeschafft und durch Privatdozent Dr. M. L. Strack sachkundig geordnet. Damit wurde- so Loeschcke in der Uni-Chronik 1902 weiter - er Universität ein höchst wertvolles Lehrmittel ... neu geschenkt.Waren im frühen 19. Jahrhundert die Münzen, die in und um Bonn gefunden wurden, dem Akademischen Kunstmuseum übergeben worden, so gingen spätere Funde an das 1820 gegründete Rheinische Museum vaterländischer Alterthümer, dem Vorläufer des heutigen Rheinischen Landesmuseums, Bonn. In dieses Museum gingen - wie bereits dargelegt - auf Initiative von Hofrat Dr. W. Dorow die Inschriftensteine und alle anderen Antiken aus der Sammlung des Canonicus F. Pick. Nach der Abberufung von Dr. W. Dorow wurde dieses Museum von A.W. von Schlegel geleitet. Die Funde wurden im Hauptgebäude der Universität ausgestellt, bis diese Sammlung in den Jahren 1866/7 gänzlich als ein Universitätsinstitut angesehen wurde (M. Gechter, Das römische Bonn - ein historischer Überblick, in M. van Rey (Hrsg.), Bonn von der Vorgeschichte bis zum Ende der Römerzeit, Bonn 2001, S. 35-133). Aus dieser historischen Entwicklung ist es verständlich, dass in dem bereits erwähnten Inventar der Münzsammlung von 1836 sowohl die von der der Universität erworbenen Münzen, insbesondere die aus der Sammlung F. Pick, als auch die des Museums Rheinischer Alterthümer erfasst wurden. Unter dem Ziel, ein eigenes Provinzialmuseum zu schaffen, gründete sich im Jahr 1841 der Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande mit Sitz in Bonn, der seinerseits in und um Bonn gefundene Antiken erwarb. So ist es nicht ausgeschlossen, dass im Verlauf des 19. Jahrhunderts Münzen - insbesondere bei der Trennung von Provinzialmuseum und Universität im Jahr 1874 -  aus Sammlung des Akademischen Kunstmuseums an das neu gegründete Museum Rheinischer Alterthümer gegeben wurden. Jedenfalls wurden im Jahr 1937 mit Genehmigung sowohl des Kuratoriums als auch des Ministeriums 2.400 Münzen der römischen Kaiserzeit (Dubletten) mit dazugehörigem Verzeichnis und Kisten uninventarisierter Kupfermünzen, größtenteils der Kaiserzeit von dem Akademischen Kunstmuseum an das Rheinische Landesmuseum Bonn abgetreten. Sie befinden sich also heute in der Sammlung des LVR-Museums Rheinland.Schon in dem Inventar von 1836 waren - wie bereits erwähnt - 233 griechische Münzen erfasst worden. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Münzsammlung des Akademischen Kunstmuseums aber im Wesentlichen aus römischen Münzen. Im Jahr 1922 kam allerdings durch ein stamentarisches Vermächtnis des Marburger Archivars H. Reimer eine umfangreiche Sammlung griechischer Münzen hinzu - insgesamt 342 Exemplare. Diese Erweiterung wurde zum Anlass genommen, die Münzen, die zu dieser Zeit dem Akademischen Kunstmuseum gehörten, in einem neuen Inventar, das vermutlich um 1925 erstellt wurde, zu erfassen. Dieses Inventar baute auf den bereits erwähnten früheren Arbeiten von Dr. M. L. Strack auf. Es erfasste nun aber die griechischen Münzen, einschließlich der Provinzialprägungen und der sog. Alexandriner (insgesamt 941 Münzen), die römisch-republikanischen Münzen (292 Münzen) und die Münzen der Kaiserzeit (3.402 Münzen). In dem Inventar sind - im Gegensatz zu dem Inventar von 1836 - die byzantinischen Münzen, die Fälschungen, die neuzeitlichen Imitationen und die Paduaner gesondert erfasst. Nicht berücksichtigt sind dagegen die Elektrotypen aus der Sammlung H. Reimer, die neuzeitlichen Münzen und Medaillen sowie vor allem die umfangreiche Sammlung an Gips-, Hartwachs- und Metallabgüssen. Dieses Inventar wurde 1937 - vermutlich mit der Übergabe der erwähnten 2.400 Münzen an das Rheinische Landesmuseum - überprüft und auf den neuen Stand gebracht.Der 1996 gegründete Förderverein des Akademischen Kunstmuseums hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten – neben der Restaurierung und Sanierung der Ausstellungsräume des Museums – auch für die Münzsammlung engagiert. Der Verein, aber auch einzelne seiner Mitglieder haben dazu beigetragen, dass die Sammlung um rd. 600 Stücke, insbesondere griechische Münzen, erweitert wurde. Bei den Anschaffungen ging es vor allem um Münzen, die von griechischen Städten oder hellenistischen Herrschern ausgegeben worden waren. Hinzu kamen kleinere Nominale aus archaischer und klassischer Zeit, die bisher in der Sammlung kaum vertreten waren. Die Originalsammlung wurde schließlich um numismatische Materialien ergänzt, die für die Lehre und die moderne numismatische Forschung von Interesse sind. Ab 2001 unterstützte der Förderverein die Inventarisierung des Sammlungsbestands. Aus dieser Initiative entwickelte sich die Idee, die Sammlung in einer Datenbank zu erfassen. Am 20. Juli 2010 wurde das digitale Münzkabinett des Akademischen Kunstmuseums eröffnet und ist seither auch für die Öffentlichkeit zugänglich.Die Sammlung des Akademischen Kunstmuseums umfasst heute 1569 griechische und 3506 römische Münzen, dazu 314 römische Provinzialmünzen. Nach wie vor liegt damit der Schwerpunkt der Sammlung bei den in der ersten Hälfte des 19. Jh. erworbenen römischen Münzen, vor allem der 1819 ersteigerten Sammlung von F. Pick und der 1824 gekauften Elberfelder Sammlung.Literatur:Dieter Bellinger, 200 Jahre Münzsammlung der Universität Bonn, Kölner und Bonner Archaeologica 7,2017,179-194. 

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