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Thrakien

Gewichtsstandard, Nominalsystem,Chronologie

Für die Münzprägung Nordgriechenlands sind schwere Münzen à 29.46 g, mittlere à 14.73 g und leichtere  à 2.18 bzw. 2.45 g kennzeichnend. Sie gehören - mit ihren Teilwerten - zu einem Gewichts- und Nominalsystem, das persische und attische Elemente miteinander verband und das heute "thraco-makedonischer" Standard genannt wird. Das System basierte auf dem persischen Stater von 9.8 g. Die Großmünze war demnach ein dreifacher Stater; im persischen Dreier-Nominalsystem ergaben sich Teilwerte von 3.27 g (1/3), 1.64 g   (1/6) und 0.54 g (1/12). Die Übernahme des attischen Nominalsystems führte dagegen bei der Münze von 29.46 g zur Oktodrachme, bei der von 14.73 g zur Tetradrachme und bei der von 2.45 g zum Tetrobol. Die makedonischen Stämme, die griechischen Stadtstaaten und das makedonische Königshaus verwandten - mit gewissen Abweichungen und Schwerpunkten - diesen komplexen thraco-makedonischen Standard. Ihm folgte auch Philipp II (356-336 v. Chr.) für die Silbermünzen, obwohl er bei den Goldmünzen den attischen Standard (Stater à 8.6 g) übernahm. Erst Alexander III (336-323 v. Chr.) führte auch für das Silbergeld das attische Gewichts- und Nominalsystem ein. Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber betrug unter Philipp 1:10 oder (nach der persischen Praxis) 1:13,5, unter Alexander 1:10. Die Bronzemünzen folgten dem attischen Vorbild, d.h. das Obol teilte sich in 8 Chalkoi, die als Chalkous, Dichalkon und Tetrachalkon in Verkehr gebracht wurden. - Dem Stadtstaat Thasos und der gegenüber auf dem Festland liegenden Region werden die frühesten Münzen Nordgriechenlands zugewiesen. Die Nähe zu den Gold- und Silbervorkommen im Pangaion-Gebirge mag dazu beigetrtagen haben. Die frühen Prägungen tauchen - als Tributzahlung oder Exportgut - in den frühen Funden auf. Auch in  Neapolis und Abdera setzte die Münzprägung Ende des 6. Jh. v. Chr. ein, stockte dann aber im Verlauf des 5. Jh., ebenso wie in Ainos, was z.T. mit dem  Athenischen Münzgesetz in Verbindung gebracht wird. Allerdings setzte um 435 v. Chr. in Thasos, Abdera und Ainos die Münzprägung wieder ein, wobei mit dem attischen,  persischen, und äginetischen Standard unterschiedliche Systeme eingeführt wurden. Eine Blütephase der spätklassischen Münzkunst erlebten die Prägungen von Thasos, Abdera, Ainos und Amphipolis in der 1. Hälfte des 4. Jh. Unter Lysimachos (323-281 v. Chr.) war die Münzversorgung Thrakiens zunächst durch posthum geprägte Münzen im Namen von Philipp II und Alexander III, später durch die Prägungen Kassenders aus Makedonien gewährleistet. Lysimachos  gab  erst ab 306 v. Chr. Silbergeld im eigenen Namen, dann ab 301 Alexandertypen mit eigenem Königstitel und schließlich ab 297 v. Chr. die berühmten Gold-und Silbermünzen mit dem Bild des vergöttlichten Alexanders aus. Diese Münzen wurden ebenfalls über viele Jahre in Kleinasien posthum Literatur: M. Price, Coins of the Macedonians, London 1974, S. 2-5; M. Price/N.Waggoner, The Asyut Hoard, London 1975; Ian Carradice (ed.), Coinage and Adminitration in the Athenian and Persian Empires, BAR S43, 1987; S. Hurter, The "Pixodaros Hoard", Studies Price, London 1998, S.148-153;G.Le Rider,Les monnaies thasiennes, dans Guide de Thasos, Paris 1968,185-191(=Études d`Histoire monétaire, ecrits 1958-1998, Tome I S.255-266; J.M.F. May, The Coinage of Abdera, London 1966 S. 177 ff; J.M.F. May, Ainos, London 1950; C.C.Lorber, Amphipolis, Los Angeles 1990, mit einer Zusammenstellung der neueren Funde; M. Thompson, The Mints of Lysimachos, Essays Robinson, Kraay/Jenkins (ed,),Oxford 1968, 168-182. Zu den posthumen Prägungen von Alexander- und Lysimachos-Typen: G. Le Rider, Sur un Aspect du Comportement monétaire des Villes libres d`Asie Mineure Occidentale au IIe siècle, , Études d`Histoire monétaire et finanzière du Monde Grec, Tome III, Athénes 1999, 1315-1339; Francois de Callatay/ P.P. Jossif, Un tétradrachme de Lysimaque surfrappé sur une pièce d`Antiochos Ier à Sardes, Revue Numismatique, 172(2015)235-242. 

G.Le Rider,Les monnaies thasiennes, dans Guide de Thasos, Paris 1968,185-191(=Études d`Histoire monétaire, ecrits 1958-1998, Tome I S.255-266