Wissenswertes: StartseiteWissenswertesAbteilung

Thessalien

Gewichts- und Nominalsystem, Chronologie 

Nur zu Beginn der Münzprägung, Anfang des 5. Jh. v. Chr., wurden in Larissa  Münzen  auf  dem persischen Standard geprägt. Nach der Niederlage und dem Rückzug der Perser ging Larissa zum aiginetischen Standard über, der sich zuvor schon auf der Peloponnes und in Boeotien  durchgesetzt hatte. Der Thessalische Bund, dessen Struktur und Mitgliederkreis sich in der Folgezeit immer wieder veränderte, folgte ebenso wie die rd. 40 thessalischen Städte, die in Thessalien Münzen in Verkehr brachten, von da ab dem aiginetischen Standard.  Was das Nominalsystem betrifft, so hatte schon Larissa zu Beginn nicht die persische Praxis übernommen, sondern Drachmen, Hemidrachmen und Obole ausgegeben. Dabei blieb es in Thessalien, d.h. es wurden auch von den anderen Emittenten in der Regel Drachmen, Hemidrachmen, Obole und Hemiobole geprägt. Goldmünzen wurden nicht und Statere nur in den führenden Städten – Pherai im Süden, Larissa im Norden – ausgegeben. Schon früh setzte im 4. Jh. v. Chr. die Ausgabe von Bronzemünzen ein. Es wurden der Tetrachalkon, der Dichalkon und der Chalkous geprägt. Die Bronzeprägung wurde auch unter der Oberherrschaft Makedoniens und Roms  fortgesetzt. - Die großen geschichtlichen Ereignisse bestimmten die Eckpunkte der thessalischen Münzprägung: der persische Einfluß bis 480 v. Chr., die Autonomie der thessalischen Städte in klassischer Zeit, die makedonischen Vorherrschaft ab der Mitte des 4. Jahrhunderts und schließlich die Eingliederung Thessaliens in die makedonische Provinz durch die Römer (146 v. Chr.). Die eigentliche Blütezeit der thessalischen Münzprägung ist also in die Jahre von rd. 480 bis Mitte des 4. Jh. v. Chr. zu datieren. Bei einer überschlägigen Betrachtung kann die Münzprägung dieser Zeit in zwei Phasen gegliedert werden. Zunächst bestimmten Pherai im Süden und Larissa im Norden, selbst oder im Rahmen von Bündnissen, die Münzprägung, wobei allerdings Pharsalos eine Sonderposition einnahm. Für die Münzbilder sind in dieser Zeit Landwirtschaft, Stierkampf und Mythos bestimmend. Im 4. Jh. v. Chr. steht die Münzprägung in Pherai unter dem Einfluß der Tyrannen Jason( 380-370 v. Chr.) und Alexandros ( 369-358 v. Chr.). Larissa bringt in diesen Jahrzehnten verschiedene Serien mit dem Kopf der Nymphe Larissa  auf der Vs. und dem grasenden oder galoppierenden Pferd auf der Rs. heraus, wobei das hohe Volumen der letzten dieser Münzausgaben schon mit dem wachsenden Einfluß Philipps II von Makedonien erklärt wird. Literatur: C.M.Kraay, Archaic and Classical Coins, New York 1976 S. 115 – 120; F. Hermann, Die Silbermünzen von Larissa in Thessalien, ZFN 35(1925)1-69; S. Lavva, Die Münzprägung von Pharsalos, Saarbrücken 2001 mit Rezension von C. Lorber SNR 82(2003)147; K.Liampi, Der Corpus der Obolen und Hemiobolen des thessalischen Bundes und die politische Geschichte Thessaliens im 2. Viertel des 5. Jh. v. Chr. in Leschhorn(hrsg.), Festschrift P.R. Franke Saarbrücken 1996 S.96-126; C. Lorber, „The Early Facing Head Drachms of Thessalian Larissa“, in I, T. Sundquist (hrg.), Festschrift U. Westermark , Stockholm 1992 S. 259-275, „ A Hoard of Facing Head Larissa Drachms, SNR 79(2000)7-15; „Thessalian Hoard and the Coinge of Larissa“ AJN 20(2008)119-142; T.R. Martin, “The chronology of the fourth-century coinage of Larissa, MN 28(1983)25; BCD (B.C. Demetriadi) „Coins of Thessaly“ Auktion Nomos 4 (2011) und Triton XV(2012).