Wissenswertes: StartseiteWissenswertesAbteilung

Phokis

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Die Münzprägung von Phokis folgte dem aiginetischen Gewichtstandard, der auch in den Nachbarstaaten - Boiotien und Thessalien - gegolten hat. Allerdings wurde der Standard im Verlauf der Jahre reduziert und zwar in der Mitte des 5. und - bei der Wiederaufnahme Münzprägung - in der Mitte des 4. Jh. v. Chr. Es wurden weder Statere noch Drachmen in Verkehr gebracht, sondern nur Hemidrachmen, Obole, Hemiobole und 1/4 Obole. In dem Nachbarstaat Boiotien lag allerdings der Schwerpunkt bei den Stateren und in Thessalien bei den Drachmen, die für die Geldversorgung möglicherweise herangezogen wurden. Bronze wurde ab der Mitte des 4. Jh. v. Chr. ausgeprägt. Dabei lassen sich unterschiedliche Münzgewichte feststellen, so daß in jedem Fall zwei, möglicherweise auch 3 Nominale ausgegeben wurden. Als Münzstätte wird Phokikon und - in den Zeiten, in denen die Phoker das Heigtum von Delphi innehatten - auch Delphi angenommen. Emittent der Münzen war die phokische Liga, neben der zeitweise auch die dem Bund angehörenden Städte, Lilaia und Neon, Münzen desselben Typs ausgaben.

Die Münzprägung setzte Ende des 6. Jh. v. Chr. ein. Aufgrund des Münzcorpus von Williams werden 5 Prägephasen unterschieden: die Zeit bis zu dem Rückzug der Perser (478 v. Chr.), die Periode des Wiederaufbaus nach den Kriegszerstörungen ( 478 bis 460 v. Chr.), dann die Jahre der Auseinandersetzung um das Heigtum von Delphi (460 bis 446 v. Chr.), weiter die längere Friedenszeit bis zum Anfang des 4. Jh. und schließlich die Jahre des sog. Heiligen Kriegs ((356 -346 v. Chr.). Der Schwerpunkt der Prägetätigkeit lag in der 2. und 3. Prägephase, während die Geldausgabe in der 2. Hälfte des 5. Jh. zurückging und in der 1. Hälfte des 4. Jh. überhaupt aussetzte. Das Heiligtum in Delphi prägte gelegentlich lokales Geld, also nicht , wie das Heiligtum Olympia, regelmäßig zu den Festen. Allerdings gab das Heiligtum zwei spektakuläre Münzen aus: Tridrachmen um 480 v. Chr. und Statere um 336 v. Chr., jeweils aiginetischen Standards und zur Wiederherstellung des Apollo-Heiligtums.

Literatur: R.T. Williams, Silver Coinage of the Phokians, London 1972; BCD (B.C. Demetriadi)"Lokris-Phokis" Auktion NAC 55,2010 mit umfangreichem Münzmaterial und Literaturübersicht; zu Delphi; zu der Emission zur Finanzierung der Resstaurierung des Tempels vgl. Münzkabinett Berlin Objektnummern. 18215461 und 18208219 , L:P. Raven, the Amphictionic Coinage of Delphi, NC 1959, 1ff; J.R.M. Jones, Testemonia Numaria, London 1993 (Vol I) und 2007 (Vol. II)Nr.212 )