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Boiotien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Die böotischen Städte, insbesondere Theben, Tanagra und Orchomenos, sowie der böotische Bund übernahmen das aeginetische Gewichts- und Nominalsystem. Mt Ausnahme einer einzigen, kleinen Emission von Elektron-Hemidrachmen im Jahr 395 v. Chr.wurde nur Silber ausgegrägt. Ebenso gibt es nur eine einzige, um 287 v. Chr. datierte Emission von Tetradrachmen attischen Gewichts. Ansonsten blieb es bei dem aiginetischen Gewichts- und Nominalsystem. Allerdings emittierte Theben weit mehr Statere, während in Tanagra und Orchomenos die kleineren Nominale überwogen.Die Ausgabe von Bronzgeld spielte nur eine geringe Rolle: sie setzte in Theben vor, im Bund nach der Mitte des 4. Jh. v. Chr. ein und beschränkte sich auf den Kleinstwert von ca. 12-14 mm und 2-3 g,  vermutlich den Chalkous.

Der böotische Bund nahm die Münzprägung in dem 2. Quartal des 5. Jh. v. Chr. auf, emittierte aber in größerem Umfang erst in den ersten 2 Jahrzehnten des 4. Jh. v. Chr., dann wieder zu Anfang des 3. Jh. v. Chr. unter der Oberhoheit von Demetrios, und schließlich an der Wende vom 3. zum 2. Jh. v. Chr. Die Münzprägung von Tanagra setzte um 500 v. Chr. ein und erreichte schon im 2. Viertel des 5. Jh. v. Chr. mit der Ausgabe von Stateren und Drachmen seine größte Bedeutung. Orchomenos begann schon im letzten Viertel des 6. Jh. mit der Ausgabe von Münzen. Es behielt zwar über die Jahrhunderte sein eigenes Münzbild,  beschränkte sich aber - von wenigen Ausnahmen abgesehen - auf die Prägung kleinerer Nominale. Ohne Zweifel war Theben - trotz Perioden geringerer Emissionstätigkeit - der wichtigste Emittent in Böotien. Die ersten Münzen, die  auch typologisch den aiginetischen Münzen folgten, wurden im letzten Viertel des 6. Jh. v. Chr. ausgegeben. Statere, die für die  Münzprägung von Theben charakteristisch sind, wurden erst im 2. Viertel des 5. Jh. v. Chr. ausgegeben; sie sind gekennzeichnet durch den Buchstaben Theta im Zentrum der Rückseite. Auf die Serie mit der Amphore als Münzbild ( ab 450 v. Chr. ) folgten in der zweiten Hälfte des 5. Jh. umfangreiche Münzserien mit wechselnden Darstellungen des Herakles und des Dionysos, dargestellt im Profil, aber auch frontal. Den größten Umfang der Prägetätigkeit erreichte Theben im 4. Jh. v. Chr. mit der sog. Magistrats-Serie, die in Zeit von 395 v. Chr. ( Loslösung von Sparta) bis 338 v. Chr. (Niederlage bei Chaironeia) ausgegeben wurde und nur aus Stateren bestand. Von der Zerstörung durch Alexander III im Jahr 335 v. Chr. hat sich die Stadt - ausweislich ihrer Münzprägung - nicht wieder erholt. Literatur: B.V. Head, On the chronical sequence of the coins of Boiotia, London, 1881; C.M. Kraay, Archaic and classical Greek Coins, New York 1976 S. 108 ff.; BCD ( Basil C. Demetriadi),(Boiotia) Triton IX New York 2006 mit Übersichten über Geschichte, Münzprägung und Literatur.