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Aigina

Gewichtsstandard, Nominalsystem, Chronologie

Der äginetische Gewichtsstandard ging von einem Talent von 37.142 kg aus. Das Talent teilte sich in 60 Minen à 623,7 g, diese wiederum in 50 Didrachmen oder Statere à 12.6 g. Die vorherrschende Münze Aiginas war der Stater von rd. 12.6 g. Das Währungssystem lautete: Stater 12.6 g, Drachme 6.3 g, Triobol 3.15 g, Diobol 2.1 g, Obol 1.05 g, Hemiobol 0.55 g, Tetartemorion 0.26 g. Die Münzen von Ägina liefen in der Ägäis, auf der Peloponnes und im griechischen Mutterland um. In diesen Regionen wurden daher der  Gewichtsstandard und das Nominalsysten von Ägina  übernommen. Als Ende des 5. Jh. v. Chr. das Bronzegeld eingeführt wurde, verbreitete sich auch in diesem Sektor das äginetische System mit der Unterteilung des Obols in 12 Chalkoi, also z.B. auf der Peloponnes, in Böotien, in Thessalien und an der kleinsaiatische Küste. Es wurden also Bronzemünzen im Wert von 1,3 und 6 Chalkoi ausgegeben, während andere Regionen Griechenlands dem attischen System mit der Unterteilung des Obols in 8 Chalkoi folgten und Bronzemünzen im Wert von 1,2 und 4 Chalkoi in Verkehr brachten ( zur Entwicklung des Bronzegelds in Griechenland vgl. S. Psoma, Olynthe et les Chalcidiens de Thrace, Stuttgart 2001, S. 120-136). 

Der Beginn der äginetischen Münzprägung wird heute auf die Mitte oder erst auf das vierte Quartal des 6. Jh. v. Chr. datiert. Erstmals tauchen Münzen aus Ägina in dem auf 514-511 v.Chr. datierten Fund in den Fundamenten des Palastes des persischen Großkönigs in Persepolis auf. Ebenso unsicher ist der zeitliche Ansatz der in den ersten drei Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts v. Chr. ausgegebenen Münzen, weil im Detail unterschiedliche Münztypen vermutlich  gleichzeitig ausgegeben worden sind. Maßgebend für die Rekonstruktion des Prägeablaufs in dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. sind die Funde  im Fundament des Tempels am Isthmos von Korinth (IGHC 11), in Megalopolis auf der Peloponnes ( SNG Paris, coll. Delepierre), in Hollm (Albanien), in Selinunt auf Sizilien, in Kleinasien (Dekadrachmon-Fund), in den  Fundamenten des Palastes von Darius I in Persepolis (IGHC 1789),  in Ägypten (IGCH 1632-1646) und zuletzt in Kerki am Oxos-Fluß in Turkmenistan. Diese Funde, unter ihnen allein  der "Asyut" Hoard  mit 133 Stateren von Ägina, bezeugen  das weite Umlaufgebiet und die wirtschaftliche Bedeutung des äginetischen Geldes. Kennzeichnend dafür ist auch die Verbreitung des äginetischen Gewichts- und Nominalssystems in Zentralgriechenland und im ägäischen Raum.

Die erste Phase der äginetischen Münzprägung ( 550/525 - 470/445 v. Chr.) ist durch das Bild der Seeschildkröte, die zweite Phase (457/445 - 2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr.) durch das der Landschildkröte gekennzeichnet. Im einzelnen werden in der ersten Phase 6 Entwicklungsstufen anhand der Gestaltung des Bilds der Seeschildkröte (kleiner, großer oder dreifach gebogener Kragen, unterschiedliche Punktierung des Panzers) sowie der Rückseite der Münze (unstrukturiert, "Union Jack"-Muster,"Windmühlen-Flügel", fünffachgeteiltes kleines oder großes Quadratum incusum )  unterschieden. Der Übergang zu dem großen fünffach geteilten Rückseitenbild wird aufgrund des Dekadrachmon-Fundes in die Zeit um 470 v. Chr. datiert. Der Wechsel von der See- zu der Landschildkröte könnte im Jahr 457 v. Chr. ( Niederlage gegen Athen) oder 445 v. Chr. (Abschluß des sog. Dreißigjährigen Friedensvertrtags) stattgefunden haben. So wird der Wechsel von der See- zur Landschildkröte besonders  an den Stateren Nr. 122 und 123 des auf 440 v. Chr. datierten Myrina-Hoard 1970  deutlich, bei denen noch das Auge der Seeschildkröte wie bei den archaischen Darstellungen sichtbar, der Panzer aber schon der der Landschildkröte ist. Während des Peloponnesischen Kriegs, also ab 431 v. Chr., setzte die Münzprägung aus. Mit der Wiederaufnahme der Prägung wurde das Quadratum incusum rechtwinklig unterteilt, und schließlich wurden  ab der Mitte des 4. Jh. Buchstaben oder Symbole ( Stadt- und Magistratsname) in die Rückseiten-Felder eingefügt. Zu dieser Zeit wurden auch erstmals Bronzemünzen ausgegeben.

Literatur: S.R. Milbank, The Coinage of Aegina, ANSNNM 24,1925;M. Price/N.Waggoner, The "Asyut" Hoard, London 1975, S.69-76 Pl. XIX-XXI; H. Nicolet-Pierre, Numismatique grecque, Paris 202,135-138, 178;Gjongecaj/Nicolet-Pierre, Le monnayage d`argent d`Egine et le trésor de Hollm 1991, Bulletin de correspondance hellénique 119,1995,283-332 pl.I-IV);M.Oeconomides, The IGCH 101 Hoard and the Circulation of the Tortoise in the peloponnesus, H. Nielson (Hrsg.),Studia Westermark, Stockholm 1992,307-311; M. Oeconomides, The 1970 Myrina Hoard of Aeginetan Staters,O.Morkholm/N. Waggoner (eds.), Essays M. Thompson, Wetteren 1979, S.231-239; K. Sheedy, Aegina, The Cyclades and Crete, in W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, Oxford 2012105-127. O.D. Hoover, The Handbook of Greek Coinage Series, Volume 6, Coins of the Islands,Lancaster 2010, 104-111.

 

(M.Caramessini-Oecomides, The 1970 Myrina Hoard of Aegenitan Stater, in Morkholm/Waggoner, Essays M.Thompson, Wetteren 1979,S. 231-239