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Argolis

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Aus dem erheblichen Umlauf aiginetischer Statere auf der Peloponnes ab der zweiten Hälfte des 6.Jh. v. Chr. erklärt sich, daß Argos das Gewicht- und Nominalsystem von Ägina übernahm und sich zunächst auf die Ausgabe kleinerer Münzwerte beschränkte. Der Beginn der Münzprägung wird heute auf die Jahre 490/480 v. Chr. datiert, wofür maßgebend ist, daß sich eine frühe Münze von Argos im Depot-Fund des Poseidon-Tempels am Isthmos ( IGCH 11; Vergrabungszeit um 475 v. Chr. ) befand. Zunächst wurden Drachmen und Hemidrachmen mit dem Bild des Wolfs auf der Vorder- und dem Buchstaben A auf der Rückseite geprägt. Diese Münzbilder behielt Argos bis in das 1. Jh. v. Chr. bei. Daraus erklären sich die heutigen Meinungsunterschiede über die Chronologie der argivischen Münzprägung, zumal die Münzen aus der Ausgrabungen in Argos noch nicht publiziert sind und auch ein Münzcorpus noch nicht vorliegt. Auch die Meinungen darüber, ob Argos nur in gewissen Perioden oder durchgängig geprägt hat, gehen auseinander. In jedem Fall war das Prägevolumen im 1. Quartal des 5. Jh. v. Chr. noch gering. Im zweiten Quartal kamen Obole, Hemiobole und Tetrartemoria, gekennzeichnet durch Wertzeichen, hinzu. An der Wende zum 4. Jh. traten die zwei charakteristischen incusen Felder auf der Rückseite allmählich zurück; Buchstaben oder Symbole (Stern, Helm Lyra) kennzeichneten von da ab die Emissionen. Der Höhepunkt der Münzprägung von Argos wird heute auf die Jahre 370- 350 v. Chr. datiert: die sog. Hera- Emissionen, nach den Symbolen insgesamt 16 Emissinen von Stateren, begleitet von Drachmen und Tritartemoria; alle mit den Bildern der Hera und des Heroen Diomedes.Spätestens in dieser Zeit setzte auch die Bronzeprägung ein, die in 4 Phasen bis in das 1. Jh. v. Chr. reichte. Die Chalkoi und Dichalkoi werden immer wieder begleitet von den traditionellen Triobolen, die nicht nur mit Buchstaben und Symbolen, sondern  schließlich sogar mit den Namen der Münzbeamten versehen waren. Eine Abwechselung bietet in der Mitte des 3. Jh. v. Chr. die Ausgabe von Diobolen mit dem Kopf der Hera und dem von Diomedes geraubten Palladion. Um 220 und um  190 v. Chr.  wurden in Argos Tetradrachmen im Namen Alexanders III ausgegeben. Als Mitglied der Achäischen Liga emittierte Argos in der ersten Hälfte des 2. Jh. v. Chr. Hemidrachmen und Tetrachalkoi.  

Literatur: B.V. Head, Historia Numorum, reprint London 1963, S.437-444; C.M. Kraay, Archaic and Classical Coins, New York 1976, S.95-103;C. Flament, Classement stylistique et essai de périodisation des monnaies au loup d`Argos, Revue Numismatique 165(2009)81-105; C. Flament, Classement stylistique et essai de périodisation des monnaies au loup d`Argos: Ler émissions du V. si`cle, NC 172(2012)159-178;R.R. Holloway, A Group of Argive Coins at Brown University, in Hurter/Arnold-Biúcchi (hrg)"pour Dénise" Bern 2000 S.75-86;BCD "Coins of Ploponnesos" Auction LHS 96(2006)S. 250 - 291 bearbeitet von A. Walker