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Elis

Gewichtstandard, Nominalsystem und Chronologie

Von den Ende des 6./Anfang des 5. Jh. v. Chr. auf der Peloponnes umlaufendenden Münzen Äiginas übernahm Elis/Olympia den aiginetischen Gewichtstandard (Stater von 12.2 g). Es gab im 5. und 4. Jh. v. Chr. vor allem Statere, in geringerem Umfang aber auch Drachmen, Hemidrachmen und Obole aus. Ende des 5. Jh. v. Chr.. kamen das Hemiobol, das Tritetartemorion und das Tetartmorion hinzu. Obwohl die Region dörflich-landwirtschaftlich geprägt war, lag der Schwerpunkt weiterhin bei der Ausgabe von Stateren. Mitte des 4. Jh. v. Chr wurden erstmals Bronzemünzen ausgegeben. Mit den Nominalen B,C und D ersetzten sie das Silberkleingeld. Ende des 4. Jh. v. Chr. ging die Emission von Stateren zurück, während die Ausgabe von Hemidrachmen/Triobolen  immer größere Bedeutung erlangte. Diese Entwicklung setzte sich auch fort, als Elis Mitglied des Achäischen Bundes wurde und auf dem dann reduzierten äginetischen Standard (Stater von 10.65 g) Triobole im Namen der Liga prägte.

Gegenüber allen anderen griechischen Prägestätten weisen die Münzen von Elis/Olympia die Besonderheit auf, daß sie - jedenfalls im 5. und 4. Jh. v. Chr.  - nicht so sehr den Geldbedarf der Stadt, sondern den der olympischen Festspiele decken sollten. Nicolet-Pierre a.a.O. S. 179 bezeichnet  das Geld zwas unlänst noch als "un monayage civique", überwiegend wird dessen Funktion aber heute darin gesehen, den Festpielen und dem gleichzeitig veranstalteten Markt zu dienen. Die Legende "F-A" macht allerdings deutlich, daß nicht das Heiligtum, sondern die Eleer die Prägeherren waren. Die herrschende Meinung geht weiter dahin, daß die Münzen nicht regelmäßig, sondern, jeweils zur Festpielzeit, im Rhythmus von 4 Jahren ausgegeben und daß sie sogar im Bezirk der Festspiele bzw. des Heiligtums geprägt wurden. Danach bestanden dort zunächst eine Zeus-Prägestätte und ab etwa ab 421/0 zusätzlich eine Hera-Prägestätte, die jeweils den dortigen Tempeln zugeordnet waren. Auf dem Markt galten die offiziellen lokalen Maße, Gewichte und Münzen. Die Kaufleute und die Teilnehmer an den Festspielen hatten also das von ihrer Heimat mitgebrachte Geld vor Ort umprägen zu lassen. Ein Transport des Materials in das rd. 60 km entfernte Elis ist ebenso unwahrscheinlich, wie das Bestehen von zwei Münzstätten in einer einzigen Stadt. Hiervon ausgehend, sind die Fixdaten der Chronologie: Die Münzprägung von Elis/Olympia begann um 468 v. Chr. mit dem Zusammenschluß der dörflichen Siedlungen und dem Bau des Zeus-Tempels. Um 421/0 setzten in Olympia die Emissionen der Hera-Prägestätte ein. Um 365 v. Chr. eroberten die Arkader kurzzeitig das Heiligtum und gaben Münzen unter dem Namen der Stadt PiSA aus. Um 324 v. Chr. schloß die Hera-Prägestätte, und die Münzprägung wurde in die Stadt Elis verlagert. In der Zeit von 191- 146 v. Chr (und später ) prägte Elis auch Münzen als Mitglied der Achäischen Liga. Literatur: C.T. Seltmann, The Temple Coins of Olympia, Cambridge 1921;C.M. Kraay, Archaic and Classical Coins, New York 1976, S. 103-107;H. Nicolet-Pierre, Numismatique grecque,Paris 2002, S. 178-182;A. Walker, BCD Collection Olympia Leu 90(2004) Einführung und Literaturübersicht S.5-21;O.D. Hoover, Coins of the Peloponnesos,London 2011, S.70-112.