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Stadtrömische Münzprägung (c. 227/5- c. 212 v.Chr.)

Der Quadrigatus im Rahmen der frühen Didrachmen-Serien

Die relative Chronologie der 8 Didrachmen-Serien ist unbestritten. Die erste Serie trug die Bilder Mars- oder Quirinuskopf/Pferdekopf mit der Aufschrift "Romano". Das Gewicht betrug 7.25 g. Als Prägetätten werden Neapel oder Metapont, jedenfalls Süditalien angenommen, Es handelte sich um eine relativ kleine Emission ( 4 Vs. - und 15 Rs.-Stempel), Die zweite Serie mit den Bildern "ApoloKopf/Pferd im Galopp" hatte ebenfalls ein geringes Volumen ( 10 Vs.- und 9 Rs-Stempel). Die dritte Serie zeigte die Büste des Hercules mit Diadem, Löwenfell und Keule auf der Vs., hatte aber mit "Wölfin mit Zwillingen" erstmals ein typisch stadtrömisches Bild auf der Rs. Mit der vierten Serie traten wesentliche Veränderungen ein: die Münzen mit den Bildern "Roma oder Diana/ Victoria" trugen Kontrollzeichen, wie T oder MM, hatten ein reduziertes Gewicht von 6.6 g bis 6.8 g, wurden von Unternominalen begleitet und hatten eine hohes Prägevolumen ( 35 Vs.-Stempel), mithin vermutlich eine längere Prägezeit. Die 3 weiteren Serien mit "Mars/Pferdekopf" oder "Apollo/galoppierendes Pferd" griffen zwar frühere Münzbilder wieder auf, hatten aber weiterhin ein reduziertes Gewicht, trugen die Legende "ROMA" und die Kontrollmarken "Keule" und "Sichel" und wiesen eine hohes Emissionsvolumen auf (64 Vs.-Stempeln). Die achte und letzte Didrachmen-Serie ( der sog. Quadrigatus) trug die "Doppelköpfe der Dioskuren/ Jupiter in Quadriga" und die Legende "Roma" zunächst inkus, dann im Relief und wurde mit Goldstateren, Gold-Halbstateren, Drachmen und weiteren Untereinheiten ausgegeben (zur Chronologie der Didrachmen M.H.Crawford, Roman Republican Coinage, Cambridge 1974, 35-46; W. Hollstein, Überlegungen zu Datierung und Münzbildern der römischen Didrachmenprägung, JNG 48/49(1998/1999) 133-164).

Was die absolute Chronologie betrifft, so hat sich die Bandbreite der Meinungen eingeschränkt (R. Thomson, Early Roman Coinge, A Study of the Chronology, Vols. I-III, Kopenhagen 1957-1961). Die Didrachmen wurden auch im Zusammenhang mit der Münzprägung Campaniens behandelt ( A. Burnett, The Coinages of Rome and Magna Graecia in the Late Fourth and Third Centuries B.C., SNR 56(1977)92; W. Fischer-Bossert, Chronologie der Didrachmenprägung von Tarent, Berlin 1999 S. 263). Danach setzte die Ausgabe von Didrachmen in dem ersten Viertel des 3. Jh. ein. Ein Meilenstein ist die Reduzierung des Gewichts um 270 v. Chr.. Die hohen Emissionsvolumina der Serien 4 bis 7 könnten mit den finanziellen Anforderungen des 1. Punischen Krieges, der Gold-Stater mit der "Schwurszzene" mit denen  des 2. Punischen Kriegs verstanden werden. In den folgenden Krisenjahren wurde der Feingehalt des Silbers des Quadrigatus  von ursprünglich 98% bis schließlich nur noch 36 % reduziert; das Gewicht des As ging in mehreren Stufen auf nur noch 54 g zurück, was nur als Zusammenbruch des bisherigen Währungssystems verstanden werden kann. In diesen Krisenjahren wurde das umlaufende Geld eingezogen und um 212/211 v Chr. der Denar eingeführt ( A. Burnett, Early Roman Coinage and its Italian Context, in W.E-Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, 2012,297-314; A. Burnett, The Enna Hoard and the Silver Coinge of the Syracusan Democracy, SNR 62(1983)5; W. Hollstein, Die Dioskuren und die Einführung des Denars, JNG 58(2008)41-63).