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Taurische Chersonnes, Sarmatien, Trakische Chersonnes

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Von den griechischen Städten am kimmerianischen Bosporos gaben vor allem Pantikapeion und Phangoreia Münzen aus. Während Phanagoreia erst Ende des 5. Jh. Münzen einführte, ging Pantikapeion bereis Ende des 6. Jh. (A.Frolova 2004), spätestens um 480 v. Chr. (D.MacDonald 2005) zum Münzgeld über. Es handelte sich um Drachmen, Obole und Silberkleingeld, das auf einem reduzierten aiginetischen Standard (Drachme=5.6 g)geprägt und für den lokalen Markt bestimmt war. Grundsätzlich galt das übliche Nominalsystem d.h. 1 Drachme gleich 6 Obole. In der frühen Periode der Münzprägung (480-375 v. Chr.) variierten die Münzgewichte allerdings außerordentlich stark, was bei dem vielfach erhaltenen Silberkleingeld vor allem mit dem Verfahren der Herstellung des Schrötlings (Abkühlung des flüssigen Silbertropfens in kaltem Wasser) erklärt wird. Dies hatte zu der Annahme geführt, daß - neben der Didrachme - bis zu zehn verschiedene Nominale bestanden hätten. Neue statistische Methoden zur Erfassung der Münzgewichte führten zu dem Ergebnis, daß die Zahl der Nominale wegen der ungenauen Ausprägung überschätzt wird und daß in der Zeit von 460 bis 375 v. Chr. nur 4 Nominale verwandt wurden: die Drachme mit 5,6 g, die Hemidrachme mit 2.8 g, das Trihemiobol von 1.4 g und das Tetartemorion von 0.27 g, jeweils mit beachtlichen Über- und Unterschreitungen. Diese statistischen Untersuchungen waren möglich geworden, da für die Zeit von 460 bis 370 v. Chr. jetzt  insgesamt 795 Münzen von Pantikapaion zur Verfügung stehen. Mit der historischen Entwicklung änderte sich im 4. Jh. v. Chr. das Währungssystem von Pantikapeion. Mit der athenischen Expedition in das Schwarze Meer, die die Getreideversorgung Athens sicherstellen sollte, kam es zunächst zu einer Konfrontation, nach der Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg aber zu einer wirtschaftlichen Kooperation, die den bosporianischen Städten finanziellen Wohlstand brachte. Die Folge war eine Währungsreform zu einem bi-metallischen Nominalsystem. Unter Leukos I (389-349) wurden Gold-Statere im Gewicht von 9.1 g ausgegeben, die als Äquivalent zu den im Schwarzmeerhandel dominierenden Elektron-Stateren von Kyzikos verstanden werden. Als sich die Statere von Philipp II und Alexander dem Großen durchsetzten, ging Pantikapeion bei der Prägung seiner Gold-Statere auch zu dem attischen Standard (Stater zu 8.55 g) über. In dieser Zeit wirtschaftlicher Blüte wurden auf einem weiter reduzierten Standard (Drachme = 4.7 g) auch Hexa-, Tetra- und Tridrachmen ausgegeben. In dieser Zeit setzte auch die Bronzprägung mit den Nominalen A (11.4 bis 19.9 g), B (3,5 bis 8.1 g), C ( 2.5 bis 7.5 g) und D ( 1.1 bis 2.5 g) ein In hellenistischer Zeit verlagerte sich der Getreidehandel aber nach Ägypten und Sizilien, so daß sich Pantikapeion im wesentlichen auf die Ausgabe von Bronzemünzen für den lokalen Markt beschränkte. Die finanzielle Krise des 2. Jh. v. Chr. kommt in Kontermakierungen im Zuge wiederholter Währungsumstellungen zum Ausdruck. Nur in bestimmten historischen Situationen gaben die boporianischen Könige, auch der pontische Herrscher Pharnakes II (63-47 v. Chr.), zusätzlich Gold- und Silbermünzen in Form posthumer Lysimachos-Prägungen aus. Zu der späteren Verbindung zwischen dem pontischen und dem bosporianisichen Königshaus vgl. die Inventarnummern G.37.10 und P.12.01. D. Macdonald, An Introduction to the History and Coinage of the Kingdom of the Bosporos, Lancaster 2005;J. Hourmouziadis, Silver Denominations and Standards of the Bosperan Cities (Proceedings XIV.Internationaler Numismatic Congress, Volume I Glasgow 2011,S.203-212;A. Frolova, Die frühe Münzprägung vom Kimmerischen Bosporos (Mitte 6. bis Anfang 4. Jh.v. Chr.), Berlin 2004; O.D. Hoover, Handbook of the Coins of Northern and Central Anatolia, Vol. 7, Lancaster 2012. Zu Geschichte und Wirtschaft im kimmerianischen Borsporos vgl. LVR-Landesmuseum Bonn."Die Krim: Griechen-Skythen-Goten", Katalog der Ausstellung 2013/14.