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Mysien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Die bedeutendste Münzstätte Mysiens in klassischer Zeit war Kyzikos, dessen Statere im ägäischen Raum, in Thrakien und im Gebiet des Schwarzen Meers umliefen. Die Münzpolitik war konservativ: Kyzikos behielt aus der archaischen Zeit das Elektron als Münzmetall, den phokäischen Standard, die Prägetechnik und die Schrötlingsform, das vertiefte Quadrat und den Verzicht auf eine Legende bei. Bei etwa 240 wechselnden Münzbildern im Verlauf von über 2 Jahrhundert verwies nur das Beizeichen "Thunfisch" auf die Stadt Kyzikos als Emittenten. Der Schwerpunkt lag im 6. Jh. v. Chr. auf der Ausgabe von kleineren Nominalen, im 4. Jh. v. Chr. auf der Ausgabe von Stateren à 16 g.. Als Unternominale wurden 1/6-, 1/12 und  1/24-Statere ausgegeben. Diese Elektronwährung dauerte von rd. 550 bis 330 v. Chr. Separat davon wurden im 6. und 5. Jh. v. Chr. Silberobole und deren Unternominale, im 4. Jh. v. Chr. Münzen auf dem rhodischen Standard geprägt. Literatur: H. v. Fritze, Die Elektronprägung von Kyzikos, Nomisma 7(1912) 1-38; L. Mildenberg, The Cyzicenes: A Reappraisel, Vestigia Leonis, Göttingen 1998 S.127-135; S. Hurter/H.-J. Liewald, Neue Nominale in der Elektronprägung von Kyzikos SNR81(2002)21-49, 83(2004)27-44 und 85(2006)5-26.-Anders als Kyzikos ging Lampsakos im 4. Jh. v. Chr. von Elektron auf Gold als Münzmetall und gleichzeitig vom phokäischen auf den persischen Standard über. Wie die perische Dareike hatte der Stater ein Gewicht von 8.35 g. Literatur: A.Baldwin, Lampsakos - the Gold Staters, Silver and Bronze Coinages AJN LIII,1924. Auf den Münzen von Kyzikos und Lampsakos aus dem 4. Jh. v. Chr. finden sich  Porträts, die bestimmten historischen Personen zugewiesen werden. Vor allem sind auf Silber- und Bronzemünzen, die in Mysien ab 400 v. Chr.ausgegeben wurden, historisch bedeutende persische Satrapen, wie Tissaphernes, Pharnabazos, Orontas und Spithridates dargestellt. Literatur: L. Mildenberg, Über das Münzwesen im Reich der Achämeniden, in Vestigia Leonis, Göttingen 1998, S.3-29.- Mit der Währung Alexanders des Großen setzte sich in Kleinasien der euböisch-attische Standard durch. Es wurden von ihm und Antigonos I (323-301 v. Chr.) Goldstatere und vor allem Drachmen geprägt. Lysimachos (301-281 v. Chr.) führte diese Münzpolitik fort. Da die umlaufenden Drachmen ausreichten,  lag der Schwerpunkt bei den Tetradrachmen mit dem Porträt des vergöttlichten Alexander, die - ebenso wie das Alexandergeld - allerdings auch noch posthum ausgegeben wurden . Literatur: M. Thompson, Alexanders`s drachm mints  ANSNS 16 und 19,New York 1983,1991;F. Thompson, The Mints of Lysimachos, Essays Robinson, Oxford 1968; C. Arnold-Biucchi, The Pergamene Mint under Lysimachos, Studies Price, London 1998, 5-16.

Philetairos von Pergamon (281-263 v. Chr.) brachte zunächst Münzen mit dem Namen des Seleukos I (282/1 v. Chr.), dann aber Alexander-Typen im eigenen Namen ( 280 v. Chr.), danach Tetradrachmen ebenfalls im eigenen Namen, aber mit dem Bild des Seleukos I (280-271 v. Chr.) und schließlich  - möglicherweise noch  zu Lebzeiten - Tetradrachmen mit dem eigenem Porträt (ab 270/263 v. Chr.) heraus. Die pergamenische Dynastie-Prägung mit dem Bildnis des Philetairos - von U. Westermark in 7 Gruppen untergliedert - dauerte bis in das zweite Viertel des 2. Jh. v. Chr. Sie wurde zeitweise  durch die Ausgabe posthumer Alexander-Tetradrachmen unterbrochen und durch die Gegenstempelung pamphylischer Emissionen ergänzt. Die Tetradrachmen wurden aber nicht von Drachmen oder Silberkleingeld, sondern nur von Bronzmünzen begleitet. Die später, ab 185/180-175/167 v.Chr. ausgegebenen Kistophoren bildeten eine auf den kleinasiatischen Binnenmarkt beschränkte Währung eigenen Standards. Die Tetradrachme wog 12.6 g, die Didrachme 6.3 g und die Drachme 3.15 g. Dieses Währungssystem wurde fortgesetzt, auch als Mysien in der römischen Provinz Asia aufging. Literatur: E.T. Newell, The Pergamon Mint under Philetairus, ANSMN 76(1936); U. Westermark, Das Bildnis des Philetairos von Pergamon, Stockhom 1961; G. le Rider, Les Tetradrachmes attalides au portrait de Philetairos und La politique monétaire du royaume de Pergame après 188, Etudes, Athènes 1999, Tome II S.627-639 und III S. 1287-1314; A. Meadows, The Closed Currency System of Attalid Kingdom, in P.Thonemann (ed.), Attalid Asia Minor, Oxford 2013,149-205; C. Boehringer, Zur Chronologie mittelhellenischer Münzserien 220-160 v. Chr., Berlin 1972; F.S Kleiner/S.P. Noe, The Early Cistophoric Coinage, ANSNS 14 New York 1977.

Literatur: M. Thompson, Alexanders`s drachm mints  ANSNS 16 und 19,New York 1983,1991;F. Thompson, The Mints of Lysimachos, Essays Robinson, Oxford 1968; U. Westermark, Das Bildnis des Philetairos von Pergamon, Stockhom 1961