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Lydien

Die "Erfindung der Münze", das Währungssystem des Kroisos

Elektronmünzen aus Lydien und aus den griechischen Städten Kleinasiens stehen am Anfang der Münzgeschichte. Wissenschaftlich faßbar sind sie erstmals durch den Fund von 93 Münzen bei den Ausgrabungen im Artemis-Tempel von Ephesos (St. Karwiese, Die Münzprägung von Ephesos Bd.I, Wien 1995, S. 118 ff).  Darunter befanden sich auch Münzen mit dem Kopf des Löwen, als deren Prägeherr der lydische König ansehen wird. Die frühere Annahme, es handele sich bei dem Elektron um eine natürliche Mischung des aus dem Fluß Paktolos gewonnenen Goldes, wurde in Metallanalysen nicht bestätigt, bei denen der Goldgehalt der Münzen mit rd. 50 % geringer als im Flußgold (rd. 75 %) war. Die Elektronmünzen wurden auf der Basis des lydisch-milesischen Münzfusses (Stater á 14.3 g ) mit Teilwerten nach dem Duodezimalsystem ( 1/2, 1/3; 1/6; 1/12,; 1/24, 1/48 Stater) ausgegeben ( H. Nicolet-Pierre, Numismatique grecque, Paris 2002, S.114-127). Neben den Münzen mit dem Kopf oder der Tatze des Löwen gibt es auch solche mit Legende, wie "Walwet" oder "Kakulim"(L. Weidauer, Probleme der frühen Elektronprägung, Fribourg, 1976, Nr.91-113; R.W. Wallace, Kukulim, Walwet and the Artemision Deposit, Problems in Early Electrum Coinage,Agoranomina, Studies J.H. Kroll, New York 2006,37-48). Die Punzen auf der Rs. wurden einzeln gesetzt und unterscheiden sich in ihrer Größe und Zahl. Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß Punzen auf Münzen, die man früher unterschiedlichen Emittenten und Zeiten zugewiesen hatte, identisch sind. Dies legt den Gedanken an eine zentrale Münzstätte, ja sogar an den einer Münzunion unter Beteiligung des lydischen Königs und der griechischen Küstenstädte nahe ( G. Le Rider, La naissance de la monnaie. Paris 2001,S.41 ff). Die Ausgrabungen am Artemision wurden unterschiedlich interpretiert und damit auch die "Erfindung" der Münze unterschiedlich datiert. Die "mittlere" Chronologie, d.h. die Datierung in das letzte Viertel des 7. Jahrhunderts v. Chr., wird jetzt überwiegend vertreten.- Die Periode der Elektronmünzen dauerte nicht lange. Die Elektronprägung des Alyattes(610-561 v. Chr.), insbesondere die Ausgabe von Triten mit dem Löwenkopf und seiner charakteristischen "Nasenwarze", dürfte unter  Kroisos (560-546 v. Chr.) fortgesetzt worden sein. In die Phase des Übergangs könnte der seltene Goldstater schweren Standards datiert werden, da  der Löwe ebenfalls eine Nasenwarze trägt (vgl Triton XV,2012,1243). Jedenfalls ging man dann, noch unter Kroisos, zu der Prägung von Gold- und Silbermünzen über (N. Cahill/J.H. Kroll, New Archaic Coin finds from Sardis, AJA 109(2005)589-617). Die neueren Ausgrabungen in Sardes erwiesen, daß die Lyder zu dieser Zeit technisch in der Lage waren, Gold und Silber zu trennen (A. Ramage/P. Craddock, Kings Croesus`s Gold, London 2003). Von dieser Technik wurde vermutlich Gebrauch gemacht, da sich das Elektron trotz des staatlichen Stempels als intransparentes Münzmetall erwies (J.H. Kroll,The montary Background of early Coinage, in E.W. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, 2012, 33-42,R. Wallace, Remarks on the Value and Standards of early Electrum Coins, in M.S. Balmuth, Hacksilber to Coinage, New York 2001,127-134).Es lassen sich zwei Serien unterscheiden: die erste hatte Goldstatere im Gewicht von 10.7 g und Silberstatere von 10.7 g, die zweite hatte Goldstatere von 8.1 g ("Kroiseioi") und Silbermünzen von 5.35 g ("Siglos"). Die Relation zwischen Gold und Silber betrug 1:13 1/3; damit entsprachen 20 Sigloi à 5.35 g einem Goldstater à 8.1 g. Die Unternominale folgten wiederum dem Duodezimalsystem und zwar bei Gold- und Silbermünzen bis zu den kleinsten Einheiten, so daß sich insgesamt das breiteste Nominalssystem ergab, das es je in der Antike gegeben hat. Alle Münzen zeigen auf der Vs. den Kopf eines Löwen und den eines Stieres einander gegenüber. Wegen der einheitlichen Technik der Punzierung wird eine zentrale Münzstätte in Sardes, der Hauptstadt des Lyderreichs, angenommen. Die Prägung von Gold- und Silbermünzen setzte nach neueren Funden in der Zeit von Kroisos ein, da sich Münzen dieses Typs in der Zerstörungsschicht der Stadtmauer befanden (N.Cabill/J.H. Kroll, Coin Finds at Sardis, AJA 109(2005)589), ging aber unter den Persern bis rd. 500 v. Chr. weiter (G. Le Rider,La naissance de monnaie ,Paris 2001, 41-121; A.R. Meadows, Apadana Foundation Deposit (IGCH 1789): some clarification, NC 163(2003)342-344. M. Alram, The Coinage of the Persian Empire, in: W.E. Metcalf, the Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage,2012,61-87.