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Rhodos

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Nach dem Zusammenschluß der Städte Jalisos, Kamiros und Lindos zu Rhodos wurde 408 v. Chr. eine neue Währung mit den Münzbildern "Helios/Rose" und dem Gewichtstandard von Chios eingeführt. Die Tetradrachme hatte ein Gewicht von 15.60 g, die Drachme von 3.9 g. Es wurden drei Serien ausgegeben: die erste in der Zeit von 408 bis 390 v. Chr. enthielt nur Tetradrachmen, die zweite um 390 auch Hemidrachmen und Obole und die 3. in der Zeit von 385 bis 340 v. Chr. auch Didrachmen und Diobole (der von D. Bérend publizierte Fund vom Marmaris (IGCH 1209); J. Ashton, The Hecatomnos Hoard, Coin Hoards IX (2002).-Um 340 v. Chr. wurde das Gewicht der Drachme auf 3.4 g herabgesetzt (sog. reduzierter rhodischer Münzfuß). Auf diesem Münzfuß wurden  nur Drachmen und Hemidrachmen ausgegeben. Daneben wurden noch Tetradrachmen auf dem früheren, höheren Standard und Goldstatere attischen Standards geprägt. Die umfangreiche Ausgabe von Silbergeld und die verstärkte Ausgabe von Bronzmünzen - AE-Obol, Tetrachalkon. Dichalkon und Chalkous - könnte mit der Belagerung durch Demetrios Poliorketes zusammenhängen. Mitte des 4. Jh. haben sich viele kleinasiatische Städte, sogar Kyzikos und Thasos im Norden, dem rhodischen Standard angeschlossen, wie sich aus dem Pixodaros Hoard (S. Hurter, Studies Price, London 1998, S.147-153; The Pixodaros Hoard, Coin Hoards IX,2002).) ergibt.

Um die Mitte des 3. Jh. wurde das Gewicht der Drachme auf nur noch 2.8 g reduziert. Die umfangreiche Prägung von Drachmen könnte mit dem Wiederaufbau der Stadt nach den schweren Erdbeben von 227 und 198/7 v. Chr. in Zusammenhang stehen. Daneben wurden Ende des 3. Jh. allerdings auch Tetradrachmen attischen Standards, sog. Alexandreier, in Verkehr gebracht. Ausländische Imitationen rhodischer Drachmen könnten dem Handel, vor allem auch der Bezahlung von Söldnern während des Dritten Makedonischen Kriegs gedient haben ( R. Ashton, The pseudo-Rhodian drachms of Mylassa, NC 155(1995)1-20);A. Bresson, Drachmes rhodiennes et imitations: Une politque économique de Rhodes, REA 98(1996)65-77).In der ersten Hälfte des 2. Jh. wurde das Gewicht der Drachme wieder auf 3.0 g angehoben und auf diesem Standard auch Hemidrachmen und Diobole geprägt. Diese Drachmen wurden  wegen des vertieften Quadrats "plinthophoren" genannt. Ihre Ausgabe könnte mit der Einführung der Kistophoren in Pergamon auf einem entsprechenden Münzfuß in Zusammenhang stehen. Nach dem Sieg der Römer über Mithradates VI von Pontos, jedenfalls nach dem römischen Bürgerkrieg endete die rhodische Münzprägung; lediglich die Ausgabe von Bronzemünzen wurde fortgesetzt.

Literatur: R.H.J. Ashton, The Coinage of Rhodos 408-190 BC, in Meadows/Shipton (Hrsg.), Money and its Uses in the Ancient Greek World, Oxford 2001 S.79; D. Bérend, Les tétradrachmes de rhodes de la première période, SNR 51(1972)5;G.K. Jenkins, Rhodian Plinthophoroi - a Sketch, in Kraay-Morkholm Essays, Louvain-la Neuve 1989 S. 101; ; SLG E. Karl (Karien, Rhodos) Lanz Auktion 131 (2006)