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Lykien

Gewichtsstandard, Nominalsystem. Chronologie

In Lykien entwickelte sich aus heimischen Tradtionen sowie persischen und griechischen Einflüssen eine verwirrend vielfältige Münzprägung. Dies gilt für die Zahl der Emittenten - Städte und Dynasten - und die Vielzahl der Bilder, die von einheimischen und griechischen Stempelstechern geschaffen wurden. Dies gilt aber auch für das Gewichts- und Nominalsystem. Charakteristisch ist der Stater. Er wurde zu Beginn der Münzprägung auf dem persischen Standard mit dem Gewicht des doppelten Siglos von rd. 11 g geprägt. Nach der Untersuchung von Morkholm/Zahle entwickelte sich im Verlauf des 5. Jh. v. Chr. der sog. schwere Stater von rd. 9.8 g und der sog. leichte Stater von  8.5 g; der eine soll im östlichen, der andere im westlichen Teil Lykiens vorgeherrscht haben; zwischen beiden sollen auch vermittelnde Gewichtssysteme verwandt worden sein. Neuere Funde, insbesondere der sog. Dekadrachmen-Fund von Elmali 1984,  führten zu der Auffassung, daß der leichte Standard letztlich das Ergebnis einer schrittweise Reduktion des schweren Gewichtsstandards gewesen ist. Er setzte sich um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. durch. Der leichte Stater mit 8.5 g wird als Übernahme des attisch-euböischen Standards verstanden. Er entwickelte sich in einer Zeit, in der der Einfluß Athens überwog und Lykien auch Tribute zu dem attisch-delischen Seebund leistete. Im letzten Viertel des 5. Jh. v. Chr.  ging der athenische Einfluß zurück, so daß  im östliche Lykien wieder Statere auf dem schweren Standard ausgegeben wurden. Allerdings war auch auf dem sog. leichten Standard die Umrechnung in persisches Geld leicht: 2 Statere=3 Sigloi. Das Nominalsystem beruhte im wesentlichen auf dem östlich-kleinasiatischen Dreier-Prinzip: 1 Stater, 1/3 Stater, 1/6 und 1/12; manche Stücke werden allerdings auch als Drachmen (=1/2), Hemidrachmen (=1/4)  und Obole verstanden. Anfang des 4. Jh. v. Chr. setzte die Prägung kleinerer Bronzenominale ein. Chronologisch unterscheiden Morkholm/Zahle nach Münztyp, griechische oder lykischer Legende, Gewichtstandard und Umlaufgebiet 4 Gruppen: Gruppe A (persischer Standard; Münzbild: Wildschwein): 510/500-480/470; Gruppe B ( unterschiedliche Bilder, lykische Schrift, Städte- und Dynastenprägungen): 480/470- 425/400; Gruppe C ( Kopf der Athena oder Maliya; leichter Standard, Städte- und Dynastenprägungen; Umlauf im westlichen Lykien): 430/420-370/360; Gruppe D (Löwenfell/Triskeles; schwerer Standard, zentrales und östliches Lykien): 400-370/360 v. Chr. In die letzte Phase der lykischen Münzprägung, die um 360 v. Chr. mit der Niederschlagung des sog. Satrapen-Aufstands endete, fallen die berühmten Dynastenporträts, insbesondere die von Mithrapata und Perikles.Literatur: O. Morkholm/ J. Zahle, The Coinage of Kuprlli, Acta Archaeologica XLIII (1972) 57-113; J. Zahle, Achaeminid Influence in Lycia- Evidence für political Changes during the 5th Century, in H.Sancisi-Weerdenbrug/A.Kuhrt, Achaeminid History VI Leiden 1991 S 145-160; N. Olcay/0. Morkholm, The Coin-Hoard from Podalia, NC 1971 S. 1-29; M. Price/N. Waggoner, The "Asyut"Hoard, London 1975;S. Hurter, Der Tissaphernes-Fund,in O. Morkholm/N.M. Waggoner (hrsg), Essays M. Thompson Wetteren 1979 S.98-108; J. Spier, Lycian coins in the "Decadrachm hoard", in I. Carradice (hrsg.), Coinage and Administration in the Athenian and Persian Empires, Bar 343, 1987 S.29-42;L. Mildenberg, Über das Münzewesen im Reich deer Achämeniden, Vestigia Leonis, Freiburg/Schweiz, 1998 S. 3-30; D. Bellinger, Zur Entstehung des Porträts auf Münzen, Die Bank 3/1993 S. 302-309.