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Kilikien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

In Kilikien sind im wesentlichen von den Städten Kelenderis, Mallos, Nagidos, Soloi, Issos und Tarsos ab dem 3. Quartal des 5. Jahrhunderts v. Chr. Münzen ausgegeben worden. Die Münzen wurden nach der herrschenden Meinung auf dem "persischen Standard" geprägt. Unter der Annahme eines Siglos von r. 5,6 (schwer) oder 5.3 g (leicht) werden die Statere üblicherweise als "Doppelsiglos" bezeichnet. Dementsprechend  könnte sich das weitere Nominalsystem aus 1/3, 1/6, 1/12, 1/24 und 1/48 des Staters zusammensetzen. Der Schwerpunkt der Münzprägung lag allerdings bei den Stateren und den 1/12-Stateren, die häufig Obole genannt werden. Ab etwa 375 v. Chr. stellten die kilikischen Städte die Ausgabe von Stateren sogar ein und brachten bis zur Alexanderzeit nur noch 1/12-Stater oder Obole in Verkehr. O. Casabonne 2004 weist aber daraufhin, daß persische Siglen in den Münzfunden aus Kilikien nicht auftauchen. In Zypern sei schon im 6. und frühen 5. Jahrhundert v. Chr. ein vergleichbarer Gewichtstandard von 11 g der dortigen Münzprägung zugrunde gelegt worden ( vgl. M. Price/N. Waggoner, The "Asyut" Hoard, London 1975, 783-817). Dieser Standard habe sich in Südkleinasien verbreitet. Mithin sei der persische Einfluß geringer als üblicherweise angenommen. Ab 380 v. Chr. machten sich die persischen Feldherrn (Karanos) und Satrapen - Tiribazos (387-383), Pharnabazos (379-373), Datames (= Turkumiwa, 373-372) und Mazaios (=Mazdai,361-334/333) das kilikische Währungssystem zunutze, Für ihre Emissionen, die überwiegend der Finanzierung der Kriege gegen Zypern und Ägypten, aber auch der Niederschlagung von Aufständen in Kleinasien und Phönizien dienten, gaben sie vor allem Statere auf dem kilikischen Standard heraus. Im einzelnen ist die Zuweisung der städtischen Prägungen und der von den Feldherrn/Satrapen zu den verschiedenen Prägestätten strittig. Die Münzlegenden sind bei den städtischen Emissionen griechisch oder aramäisch geschrieben. Nach O. Casabonne 2004 ergab sich die Verwendung des Aramäischen aus der früheren Zugehörigkeit Kilikiens zum babylonisch-assyrischen, nicht erst aus der zum persischen Reich. Selbstverständlich benutzten die persischen Feldherrn/Satrapen für ihre mit den Mitteln des Großkönigs geprägten Münzen das Aramäische, weil es auch die persische Amtssprache war. Nicht nur die Münzlegenden, vor allem die Bildmotive veranschaulichen die kulturelle Begegnung der griechischen, persischen und semitischen Welt in Kilikien. Die Chronologie der städtischen Prägungen erschließt sich aus den Münzfunden und aus den zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. häufigen Gegenstempeln, die der Satrapen und Feldherren vor allem aus der historischen Überlieferung. Unter ihnen kommt eine besondere Bedeutung Mazaios zu, der etwa 3 Jahrzehnte Satrap von Kilikien und - ab ca. 350 v. Chr. - zugleich von Syrien (Transeuphratania) war: bei Tolerierung der lokalen Münzprägungen ließ er seine eigenen Emissionen in Tarsos herstellen. Hieran knüpfte Alexander der Große um 333 v. Chr.(Schlacht bei Issos) an, als er - nach neuerer Auffassung - erstmals seine Tetradrachmen  "Herakleskopf im Löwenfell/Thronender Zeus" ausgab. Mit diesen Münzen, die sich zur Weltwährung entwickeln sollten, wurde Tarsos - nach Amphipolis und Babylon - zur drittwichtigsten Münzstätte des Alexanderreichs. Es wahrte seine große Bedeutung als Prägestätte auch in seleukidischer und in römischer Zeit (Provinzialprägung). Literatur: C.M. Kraay, Archaic and Classical Coins, New York 1976, 275-286;M. Alram, The Coinage of the Persian Empire, in W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, New York 2011,261-287; G. Le Rider, Le monnage perse en Cilicie au IV siècle, Études d`histoire monétaire, Tome II, Athènes 1999,465-483;G.Le Rider, La naissance de la monnaie, Paris 2001, 207-237;O. Casabonne (éd.), Mechanismes et innovations monétaires dans l`Anatolie achéménide,Numismatique et histoire, actes de la table ronde internationale d`Istambul(22-23.Mai 1997),Varia Anatolica XII, Paris-Istambul 2000, O. Casabonne, La Cilicie á l`époque achéménide, Paris 2004