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Phönizien

Phönizien: Gewichtsstandard, Nominalsystem und Chronology

In Phönizien begann die Münzprägung um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. Das Land stand zu dieser Zeit als Satrapie "Transeuphratesien" unter persischer Herrschaft.  Die Küstenstädte Phöniziens, wie Arados, Byblos, Sidon und Tyros, waren mit ihren bedeutenden Häfen und ihren Netzen von Tochterstädten ein Tor zum Mittelmeer und zugleich der Standtort der persischen Flotte. In ihrer Münzprägung kommen sowohl der  persische Einfluß, aber auch die vielfältigen lokalen Bedingungen zum Ausdruck. So orientierte sich Arados an dem persischen Standard von 10.6 g, Byblos an dem lykischen Standard von 9.4 g für den Stater, während andere bedeutende Städte, wie Sidon und Tyros, von einem lokalen phönizischen Standard von 7.25 g für den Shekel bzw. 14.5 g für den Doppelshekel (oder Stater) ausgingen, diesen aber im Verlauf des 5. und 4. Jahrhunderts ermäßigten. Unterschiedlich waren auch die Nominalsysteme, die sich allerdings überwiegend an dem Duodezimalsystem orientierten und Nominalwerte von 1/2, 1/4, 1/8, 1/16 und 1/32 des Staters vorsahen. Wie die Funde ausweisen, sind die Münzen - trotz der Unterschiede - in der ganzen Region umgelaufen. Die Zuschreibung der Münzen zu einzelnen Städten ist auch schwierig, da sie weder den Namen der Stadt noch - jedenfalls zunächst - nicht den Namen des Herrschers tragen. Die Münzbilder, wie Galeere, Hippokamp, Löwe oder Seegottheit, werden von mehreren Städten verwandt; andere, wie der persische Herrscher als Bogenschütze, oder ägyptische Motive, wie  der Falke und die Gottheit Bees, orientieren sich an ausländischen Vorbildern. Ein Spezifikum der phönizischen Münzprägung ist die noch in persischer Zeit eingeführte Datierung der Münzen nach Herrschaftsjahren oder - später - nach Ären.- Der Feldzug Alexanders des Großen und die nachfolgende Zeit der Diadochen bedeuteten einen Wendepunkt in der phönizischen Münzprägung. Sie basiert jetzt auf dem attischen Standard und Nominalsystem. Auch die Motive (Athena/Nike, Zeus Herakles) werden der griechischen Götterwelt entnommen. Allerdings werden die Datierungen der Münzen fortgesetzt und die Münzstätten durch Buchstaben, wie SI für Sidon, oder Symbole, wie die Keule für Tyros, gekennzeichnet. - Unter Ptolemaios I wurde dann - wie in Ägypten - der Standard von 14.25 g, der sowohl dem früheren phönizischen als auch  dem ursprünglich thrako-makedonischen Standard nahe kommt, eingeführt. Mit Ptolemais-Ake, Ioppe und Gaza wurden neue Münzstätten gegründet, im Verlauf der sog. Syrischen Kriege wurde von der Münzprägung in Phönizien auch rege Gebrauch gemacht, bis die Silberprägung im Zuge der Münzreformen in Ägypten Ende des 3. Jh. v. Chr. eingestellt wurde. Dies änderte sich unter den Seleukiden, die um 200/198 v. Chr. die Macht in Phönizien übernahmen, nur allmählich. Unter Antiochos IV prägten 19 phönizische Städte "quasi-städtiche" Bronzemünzen; erst unter Antiochos V und dann vor allem unter Alexander I Balas setzte die regelmäßige Prägung von Tetradrachmen ein und zwar weiterhin auf dem phönizisch-ptolemäischen Standard, der überkommenen Markierung der Prägestätten und der Datierung nach der seleukidischen Ära. Hieran schlossen die in späthellenistische Zeit ausgegebenen Städteprägungen, von Städten wie Arados, Tripolis, Sidon und Tyros, an.- Literatur: J.W. Betlyon, The Coinage and Mints of Phoenicia, The pre-Alexandrine Period. Cambridge, MA,1982;J. Elayi/A.G- Elayi, Le monnayage de la cité phénicienne de Sidon à l`époque perse (Ve -IVe s.av. J.- C.), Paris 2004; dieselben, The Coinage of the Phoenician city of Tyre in the Persian period (5th-4th cent.BCE), Studia Phoenicia XX Leuven/Paris 2009; P.P.Iossif, The Last Seleucids in Phoenicia: Juggling Civic an Royal Identity, AJN 26(2014)61-87; M. Meyer, Die Stadt als Souverän - Städtische Tetradrachmen in der Levante, in: A. Lichtenberger, K. Martin u.a.(Hrg.), Bildwert, Bonn 2014, 209-224;O.D. Hoover, Handbook of Greek Coinage Series, Vol. 10, Handbook of Coins of the Southern Levante, Lancaster/London 2010.

Phönizien: Gewichtsstandard, Nominalsystem und Chronology

In Phönizien begann die Münzprägung um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. Das Land stand zu dieser Zeit als Satrapie "Transeuphratine" unter persischer Herrschaft.  Die Küstenstädte Phöniziens, wie Arados, Byblos, Sidon und Tyros, waren mit ihren bedeutenden Häfen und ihren Netzen von Tochterstädten ein Tor zum Mittelmeer und zugleich der Standtort der persischen Flotte. In ihrer Münzprägung kommt sowohl der  persische Einfluß, aber auch die vielfältigen lokalen Bedingungen zum Ausdruck. So orientierte sich Arados an dem persischen Standard von 10.6 g, Byblos an dem lykischen Standard von 9.4 g für den Stater, während andere bedeutende Städte, wie Sidon und Tyros, von einem lokalen phönizischen Standard von 7.25 g für den Shekel bzw. 14.5 g für den Doppelshekel (oder Stater) ausgingen, diesen aber im Verlauf des 5. und 4. Jahrhunderts ermäßigten. Unterschiedlich waren auch die Nominalsysteme, die sich allerdings überwiegend an dem Duodezimalsystem orientierten und Nominalwerte von 1/2, 1/4, 1/8, 1/16 und 1/32 des Staters vorsahen. Wie die Funde ausweisen, sind die Münzen - trotz der Unterschiede - in der ganzen Region umgelaufen. Die Zuschreibung der Münzen zu einzelnen Städten ist auch schwierig, da sie weder den Namen der Stadt noch - jedenfalls zunächst - nicht den Namen des Herrschers tragen. Die Münzbilder, wie Galeere, Hippokamp, Löwe oder Seegottheit, werden von mehreren Städten verwandt; andere, wie der persische Herrscher als Bogenschütze, oder ägyptische Motive, wie  der Falke und die Gottheit Bees, orientieren sich an ausländischen Vorbildern. Ein Spezifikum der phönizischen Münzprägung ist die noch in persischer Zeit eingeführte Datierung der Münzen nach Herrschaftsjahren oder - später - nach Ären.- Der Feldzug Alexanders des Großen und die nachfolgende Zeit der Diadochen bedeuten einen Wendepunkt in der phönizischen Münzprägung. Sie basiert jetzt auf dem attischen Standard und Nominalsystem. Auch die Motive (Athena/Nike, Zeus Herakles) werden der griechischen Götterwelt entnommen. Allerdings werden die Datierungen der Münzen fortgesetzt und die Münzstätten durch Buchstaben, wie SI für Sidon, oder Symbole, wie die Keule für Tyros, gekennzeichnet. - Unter Ptolemaios I wurde dann - wie in Ägypten - der Standard von 14.25 g, der sowohl dem früheren phönizischen als auch  dem ursprünglich thrako-makedonischen Standard nahe kommt, eingeführt. Mit Ptolemais-Ake, Ioppe und Gaza wurden neue Münzstätten gegründet, im Verlauf der sog. Syrischen Kriege von der Münzprägung in Phönizien auch rege Gebrauch gemacht, aber die Silberprägung im Zuge der Münzrefromen in Ägypten Ende des 3. Jh. v. Chr. eingestellt. Dies änderte sich unter den Seleukiden, die um 200/198 v. Chr. die Macht in Phönizien übernahmen, nur allmählich. Unter Antiochos IV prägten 19 phönizischen Städte "quasi-städtiche" Bronzemünzen; erst unter Antiochos V und dann vor allem unter Alexander I Balas setzte die regelmäßige Prägung von Tetradrachmen ein und zwar weiterhin auf dem phönizisch-ptolemäische Standard, der überkommenen Markierung der Prägestätten und der Datierung nach der seleukidischen Ära. Hieran schlossen die in späthellenistische Zeit ausgegebenen Städteprägungen, von Städten wie Arados, Tripolis, Sidon und Tyros, an.- Literatur: J.W. Betlyon, The Coinage and Mints of Phoenicia, The pre-Alexandrine Period. Cambridge, MA,1982;J. Elayi/A.G- Elayi, Le monnayage de la cité phénicienne de Sidon à l`époque perse (Ve -IVe s.av. J.- C.), Paris 2004; dieselben, The Coinage of the Phoenician city of Tyre in the Persian period (5th-4th cent.BCE), Studia Phoenicia XX Leuven/Paris 2009; P.P.Iossif, The Last Seleucids in Phoenicia: Juggling Civic an Royal Identity, AJN 26(2014)61-87; M. Meyer, Die Stadt als Souverän - Städtische Tetradrachmen in der Levante, in: A. Lichtenberger, K. Martin u.a.(Hrg.), Bildwert, Bonn 2014, 209-224;O.D. Hoover, Handbook of Greek Coinage Series, Vol. 10, Handbook of Coins of the Southern Levante, Lancaster/London 2010.