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Philistia, Judäa, Arabia

Philistia, Samaria, Judäa: Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Der Levante und damit auch die Gebiete Philistia (Palästina), Samaria und Judäa standen von 538-332 v. Chr. unter persischer Herrschaft. Schon im 5. Jh. v. Chr. kamen - wie der um 445 v. Chr. datierte Jordan-Hoard ( IGCH 1482) ausweist - griechische Münzen in diese Gebiete. Sie bewirkten den Übergang von dem traditionellen Hacksilber zum Münzgeld. In der zweiten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. verstärkte sich der Zufluß athenischer Tetradrachmen, die - so wird vermutet - dem überregionalen Handel dienten. Bereits ab dem 3. Quartal des 5. Jh. v. Chr., also schon vor dem Zusammenbruch Athens im Peloponnesischen Krieg, wurden athenische Münzen imitiert und - als eigene Prägung - adaptiert. Die Städte Ashdod, Askalon und Gaza gaben Münzen auf der Basis des Shekels von 14,4 g in drei Nominalen aus: Drachme von 3.69 g  (=1/4 Shekel), Obol von 0.6 g (1/24 Shekel) und Hemiobol von 0.30 g (=1/48 Shekel), die für den lokalen Gebrauch bestimmt waren. Auf einem nur gerinfügig höheren Standard wurden dieselben Nominale in Samaria ab dem 2. Quartal des 4. Jh. v. Chr. von der Provinz, dem Statthalter oder dem Satrapen, wie Pharnabazos und Mazaeos, ausgegeben, allerdings überwogen hier nicht die athenischen Münzbilder "Athenakopf/Eule", sondern persische Motive. In Judäa setzte die Prägung von Münzen mit der abgekürzten Legende "yhd" ebenfalls im 4. Jh. v. Chr. ein. Es wurden Obole und Hemiobole - ausgehend von einem Shekel von 11.4 g - ausgegeben. Hier dominierten wieder die athenischen Münzbilder "Athenakopf/Eule". Neuerdings werden Kleinsilbermünzen mit abgerundeter Vorderseite, auf der sich ursprünglich der Kopf der Athena befand, und mit der Rückseite "Stehende Eule im vertieften Quadrat" dem Gebiet Edom zugewiesen. Sie folgten einem reduzierten attisch-euböischen Standard, wobei es sich um Drachmen im Gewicht von 4.0 g und Obolen im Gewicht von 0.74 g, ,d.h. 1/4-Shekel und 1/24 Shekel, handelte. In diesen Gebieten wurden - nach der Eroberung durch Alexander dem Großen - unter den Ptolemaiern in der Zeit von 301- 200/198 v. Chr.und dann von den Seleukiden von 200/198 - 104/103 v. Chr. ptolomäische und seleukidische Münzen, aber auch auch autonome städtische Prägungen ausgegeben. Aufgrund der Handelbeziehungen beeinflußte die Münzprägung des Levante auch den arabischen Raum: im Gefolge der Karawanerouten wurden in den Königtümer  von Qataban und Saba ebenfalls Münzen mit den Motiven "Athena/Eule" ausgegeben wurden.

Literatur: O. Tal, Greek Coinages of Palestine, in W.E- Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, Oxford 2012 S. 252-274;O.D. Hoover, Handbook of Coins of the Southern Levant, Lancaster/London 2010, 105-148;H. Gitler/O.Tal, The Coinage of Philistia of the Fifth and the Fourth Century : A Study of the Earliest Coins of Palestine, Milan 2006; Y. Meshorer/S. Qedar, Samarian Coinage, Numismatic Studies and Researches 9. Jerusalem 1999; L. Mildenberg, Yehud: A preliminary Study of Provincial Coinage of Judaea, in Morkholm/Waggoner, Essays M. Thompson, Wetteren 1979, 183-196( =L. Mildenberg, Vestigia Leonis, Freiburg Schweiz 1998, Münzprägung innerhalb der achämenidischen Satrapie Transeuphratesien, 1-98); P.G. van Alfen, Mechanisms for the Imitation of Athenian Coinage, Revue Belge de Numismatique 157 (2011)55-93; W.Fischer-Bossert/H. Gitler, The Ismailiya Hoard 1983, Israel Numismatic Research 5(2010)3-12; S. Munro-Hay, Coinage of Arabia Felix. The pre-islamic Coinage of the Yemen, Mailand 2003