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Mesopotamien, Persis, Parthien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Das von den Persern unter Kyros II (559-539 v. Chr.) eroberte Reich erstreckte sich von Kleinasien bis nach Indien und umfaßte unterschiedliche Währungszonen. In Mesopotamien waren schon unter den Babyloniern und Assyrern wichtige Grundlagen des späteren Münzwesens geschaffen worden, wie das offiziell festgelete Gewichtssystem, das Silber als anerkanntes Geldmetall und der mit einem Siegel markierte Barren. Die Münze selbst wurde aber erst in Kleinasien "erfunden", das Kyros Mitte des 6. Jh. durch den Sieg über Kroisos, den König der Lyder, eroberte ( Le Rider, la naissance de la monnaie, Paris, 2001). Selbst Münzen, die aus Griechenland in das Gebiet jenseits des Euphrat kamen, wurden nur als Barren behandelt oder - wenn es hoch kam - exakt halbiert oder geviertelt. Es gibt zwar Münzen in Funden aus archaischer Zeit im Osten (J. Kagan, "Archaic Greek Coins east of Tigris:evidence of circulation?" und N.A.Corfu, "A new Thesis for Siglos and Dareikos! in Prodeedings XIV International Numismatic Congress, Glasgow 2009,S.105-113 und S.230-236), sie sind aber griechische Prägungen und von Hacksilber und Barren begleitet (vgl. Inventarnummer G.59.16). Von diesen unterschiedlichen Währungszonen im Westen und im Osten ihres Reichs gingen die Perser aus, u.a. indem sie nur im Westen das sog. Königsgeld ausgaben und es zuließen, daß  neben ihm die Münzen der griechischen Stadtstaaten, der lokalen Dynasten und der persischen Satrapen umliefen ( L. Mildenberg, Über das Münzwesen im Reich der Achämeniden, Vetigia Leonis, Freibung 1998, S. 3 ff; M. Alram, The Coinage of the Persian Empire,in: W.E. Metcalf (ed.),The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, New York 2012, 61-87). So erklärt sich auch, daß der persische Großkönig noch bis zum Ende des 6. Jh. die Münztypen von Kroisos in der ehemaligen lydischen Hauptstadt Sardes weiter prägte. Erst unter Dareios I ( (522-480 v. Chr.) wurde das persische Königsgeld eingeführt, zuerst um rd. 500 v. Chr. der silberne Siglos und dann um 480 v. Chr. die Gold-Dareike. Der Siglos lief nur in Kleinasien um, die Dareike avancierte dagegen, insbesondere im 4. Jh., zu der weithin anerkannten, auch in Griechenland verbreiteten Goldmünze, an der sich später Philipp II und Alexander der Große bei der Ausgabe ihrer Gold-Statere orienterten. Die Dareike hatte ein Gewicht von 8.4 g, das auf dem babylonischen Gewichtssystem beruhte: 1 Talent à 30.240 kg = 60 Minen à 504 g = 3600 Shekel à 8,4 g. Der Siglos hatte anfänglich ein Gewicht von rd. 5.35 g, das um 480 v. Chr. auf 5.6 g angehoben wurde.Das Verhältnis zwischen Gold und Silber betrug 1:13 1/3. Eine Dareike hatte den Wert von 20 Sigloi. Der Name "siglos"  stammte von der Gewichtsbezeichnung "Shekel" ab; der Shekel wog aber 8.4 g; fälschlicherweise wurde also - schon in der Antike - diese Bezeichnung auf die persische Münze, obwohl sie nur 5.6 g wog, übertragen. Man unterscheidet nach der Darstellung des Großkönigs 4 Typen: Büste des Großkönigs mit Bogen(I), Großkönig im Knielauf mit Bogen (II), Großkönig im Knielauf mit Bogen und Lanze (III), Großkönig mit Dolch und Bogen (IV). Auf Grund der Auswertung der Funde von Sigloi und Dareiken werden die Sigloi des Typs I, II und IIIa in die Zeit um 500,, die Sigloi und Dareiken des Typs IIIb ab 480, die des Typs IV ab 450 datiert (I. Carradice, Coinage and Administration in the Athenian and Persian Empires, BAR International Series 343 1987 S.73 ff ). Erst durch die von Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern in großer Zahl ausgegebenen Tetradrachmen wurden Mesopotamien und Persien "monetarisiert". Es kam aber noch zu gesonderten Entwicklungen, wie der Doppel-Dareike, den Löwen-Stateren und der Poros-Emission. Die seleukidischen Emissionen beeinflußten noch die ab dem 2. Jh. v. Chr. ausgegebenen Drachmen der Parther und diese wiederum die der Sassaniden.