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Stempel

Technik der Münzprägung: Münzstempel

Münzen sind Massenprodukte, die - in der Antike wie auch noch heute - in großer Stückzahl  durch Prägung hergestellt  werden. Gegenüber dem Gußverfahren hat das Prägen entscheidende Vorteile: die durch Prägung hergestellten Münzen sind genauer und schöner; vor allem kann das amtlich festgesetzte Gewicht - was bei Gold, Elektron und Silber wichtig ist - durch das Wiegen des Schrötlings exakt eingehalten werden. Das Prägeverfahren setzt voraus, daß das Münzmetall beschafft und der Schrötling hergestellt ist. Daneben müssen Stempelstecher die für die Prägung erforderlichen Stempel gefertigt haben. Zur Prägung wurde der Schrötling - mit der Hand oder mit einer Zange - auf den feststehenden Unterstempel gelegt, der frei bewegliche Oberstempel - mit der Hand oder einer Zange - darauf gesetzt, ggf. justiert, und dann durch einen Hammerschlag auf beiden Seiten geprägt. Der Unterstempel prägte die Vorder-, der Oberstempel die Rückseite der Münze. Das antike Prägeverfahren kann über die mittelalterliche Münzprägung in ihren Grundzügen erschlossen werden. Aus römischer Zeit sind einige Münzstempel und auch Abbildungen von Prägewerkzeugen, sogar auf Münzen, erhalten; das Attribut der Moneta ist die Waage. Die Echtheit der Münzstempel, die aus griechischer Zeit stammen sollen, wie der in Ägypten gefundene Oberstempel einer athenischen Tetradrachme, wird in Zweifel gezogen. Stempel wurden nach Gebrauch vernichtet, um Mißbrauch zu vermeiden. Eine Ausnahme bildeten - nach dem Rechenschaftsbericht der Schatzmeister von der Athener Akropolis um 385/4 v. Chr. (J.R.Melville Jones, Testimonia Numeria, London 1993 S. 112 Nr.169 ) - die  Stempel  für die Prägung von Goldmünzen aus den Nike-Statuen am Ende des Peloponnesischen Kriegs. Stempel wurden aus Bronze, Eisen oder Stahl hergestellt. Für deren Herstellung wurden im wesentlichen dieselben Werkzeuge verwandt, wie für das Schneiden von Gemmen ( Stichel, Flitzbogen, Gravierrädchen). Ob Stempel von einer erhabenen, d.h. im Relief erstellten Patrizze in ihren Grundzügen hergestellt und dann nur im Detail ausgearbeitet wurden. ist seit langem strittig. Da die Lebendsdauer von Ober- und Unterstempel unterschiedlich ist, kann aus den erhaltenen Münzen die Stempelfolge und damit die Münzproduktion rekonstruiert werden. Schadensverläufe, wie Stempelrisse und Stempelbrüche,  oder Gebrauchsspuren, wie die reguläre Abnutzung und Rost, oder Änerungen und Reparaturen des Stempels lassen Rückschlüsse auf die Chronologie zu. Aus einem Unterstempel können - je nach Münzmaterial, Größe des Schrötlings und handwerklichem Geschick - 10.000 bis 15.000 Silbermünzen geprägt werden. Die Frage, ob warm oder kalt geprägt wurde, spielt dabei - nach praktischen Versuchen - keine entscheidende Rolle. Der Einsatz von Prägemaschinen, insbesondere bei ptolemäischen Bronzen, ist denkbar. Bleibt der Schrötling im Oberstempel hängen, ergibt sich durch die Prägung des nächsten Schrötlings eine Fehlprägung (brockerage). Wird als Schrötling eine Münze aus dem Umlauf verwandt und bleibt das frühere Münzbild sichtbar, so spricht man von einer Überprägung. Insgesamt liefert die Prägetechnik also erhebliche numismatische Erkenntnisse und - was noch wichtiger ist - Kriterien für die Echtheit der Münzen. Literatur: H. Moesta/ R.P. Franke, Antike Metallurgie und Münzprägung, Basel 1995 S.77-117; Th. Faucher u.a., À la recherche des ateliers monétaires grecs: l´apport de l´expérimentation, Revue Numismatique 165(2009)43-80; B. Bouyon u.a., Systèmes et Technologie des Monnaies de Bronze, Wetteren 2000