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Kontorniaten, Schmuckmünzen, Medaillen

Römische Medaillons

Bei Medaillons der römischen Kaiserzeit handelt es sich um Sonderprägungen, die vom Kaiser an einen kleinen Personenkreis zu besonderen Anlässen wie beispielsweise Neujahr, dem Kaisergeburtstag oder Regierungsjubiläen verteilt wurden. Sie unterscheiden sich von regulären Münzen durch eine erheblich geringere Auflage, besonders große und/oder nachträglich bearbeitete Schrötlinge mit breiten Rändern, besondere Büstenformen des Kaiserporträts sowie exzeptionelle Rückseitendarstellungen, die in der Münzprägung nicht oder sehr selten auftreten.- In der Forschung wird seit langem über die Frage diskutiert, ob es sich bei römischen Medaillons um Multipla von regulären Münzen handelt. Diese Frage berührt prinzipiell auch die Funktion der Medaillons, denn wenn es sich um Multipla handelt, dann hätten diese Stücke zumindest theoretisch im Zahlungsverkehr verwendet werden können. Bei Edelmetallmedaillons scheint dies der Fall zu sein, denn diese weisen oft eine recht einfache Relation zu den Münzgewichten auf, so daß man diese problemlos als mehrfache Aurei bzw. Denare bezeichnen kann. Betrachtet man jedoch die Bronzemedaillons, so ist eine eindeutige Einordnung in eine Relation zu den Äquivalenten aus der regulären Prägung in den meisten Fällen nahezu unmöglich.-Der Wert der römischen Medaillons als historische Quelle liegt drin begründet, daß man - ähnlich wie bei den Kameen, die ebenfalls nur in einem ausgewählten Kreis am Hof kursierten - eine Einblick in die Kommunikation des Kaisers mit seinem engstem Umfeld gewinnen kann. Hierbei kann insbesondere die Frage nach inhaltlichen Unterschieden zwischen Münz- und Medaillenprägung einen Erkenntnisgewinn bringen. Welche Bildthemen verwendet ein betimmter Kaiser für seine Medaillons und wodurch unterscheidet sich das Bildprogramm von der regulären Münzprägunng? Augustus bis Trajan: Im frühen Prinzipat wurden reguläre Münzstempel für das Prägen von Medaillons verwendet. Insofern fällt das oben beschriebende Untescheidungsmerkmal - die besonderen Darstellungen - für diese Phase weg. Die Stempel wurden allerdings auf besonders große und schwere Schrötlinge geprägt, die in manchen Fällen sogar nächträglich auf der Drehbank bearbeitet wurden. Hieran zeigt sich eine Form der Wertschätzung, die der Empfänger diesen Stücken entgegenbrachte - es scheint sich um eine besondere Anerkennung gehandelt zu haben, wenn man ein solches Exemplar erhielt. In der Zeit von Augustus bis Trajan (27. v. Chr.-117 n. Chr.) wurde keine große Menge an Medaillons hergestellt; die Zahl der Typen bewegt sich im Bereich von etwa 5-20 Typen je Kaiser. Gerade für die Zeit des frühen Prinzipats, die man, bezogen auf die Entwicklung der römischen Medaillons, als Experimentierphase bezeichnen kann, fällt es manchmal schwer, ausschließlich auf Grundlage der Kriterien Größe, Stil und Darstellung zwischen Münze oder Medaillon zu unterscheiden. - Hadrian: Mit Hadrian befindet man sich in einer Phase, in der man feststellen kann, daß sich die Münzstätte in Rom intensiv mit dem Phänomen Medaillons befasst. Es werden estmals - mit wenigen Ausnahmen unter Domitian - in größerem Umfang eigens Stempel für Medaillons hergestellt. Mit mehr als 130 veschiedenen Typen wurden unter Hadrian insgesamt mehr Medaillons geprägt und veteilt als unter all seinen Vorgängern zusammen. Man kann also von einer ersten Blütezeit der Medaillenprägung unter diesem Herrscher sprechen. Antoninus Pius, Marc Aurel, Commodus: Zunächst setzt sich dieser Trend fort; es werden weiterhin Meaillons mit eigens gefertigten Prägestempeln hergetellt - diese hadrianische Innovation hat sich durchgesetzt. Zunehmend tauchen in dieser Zeit mythologische Bildthemen auf, die altrömische Mythen erzählen. Commodus lässt dagegen zahlreiche Medaillons mit einem breiten Spektrum von Bildthemen ausgeben. Besonders in der Endphase seiner Herrschaft, in der er seine Identifikation mit Hercules forciert, sieht man relativ häufig Hercules-Darstellungen auf den Rückseiten der Medaillons; Commodus selbst tritt auf einigen Aversen mit Löwenfellhaube als Hercules Romanus auf. In diesen Punkten kann man eine Übereinstimmung mit der Münzprägung feststellen. Die Severerzeit: Septimius Severus (193-211) versucht, durch ein betont konservatives, altrömisches Bildprogramm auf seinen Medaillons mit integrativen Bildthemen, die keine Seite im Bürgerkrieg provozieren sollten, seine Macht - besonderes im Dialog mit der senatorischen Obersicht - zu stabilisieren. Nur mit wenigen Ausnahmen wie der Darstellung von Liber Pater oder Hercules - der Götter seiner Heimatstadt Leptis Magna - sowie Apollo setzt er einge Akzente. Seine Söhne Caracalla (211-217) und Geta verfolgen im Wesentlichen ein Prägeprogramm, das sich in der Tradition ihres Vaters sieht. Mit Elagabal (218-222) begegnet man nunmehr einem Kaiser, der als Sprößling einer Dynastie von Hohepriestern des syrischen Sonnengottes Heliogabal in Emesa die Verehrung dieses Gottes in Rom als Hauptstaatskult - noch vor Jupiter - durchsetzen wollte. Die Heliogabal-Thematik spielt mit der Darstellung ds Kaisers in seiner Rolle als Hohepriester seines Gottes vor dem neu errichteten Tempel in Rom oder des heiligen Steines von Emesa in einer Quadriga eine bedeutende Rolle. Severus Alexander (222-235) möchte sich deutlicher von seinem ungeliebten Vorgänger absetzen. Er rehabilitiert den Jupiter-Kult in Rom, was sich durch die Darstellung des Jupiter Ultor-Tempels auf Medaillons widerspiegelt. Daneben spielt ab ca. 230/231 die Vorbereitung des Perserfeldzugs eine große Rolle in der Medaillonsprägung des letzten Severers. Insgesamt kann die Severerzeit aus vielerlei Gründen als weitere Blütephase der Medaillonherstellung bezeichnet werde, denn in dieser Epoche werden technische wie ikonographische Impulse ausgesendet, die für den weiteren Verlauf des dritten Jahrhunderts - besonders für die Medaillons der Soldatenkaiserzeit - eine große Wirkung entfalteten. So taucht unter Severus Alexander erstmals die Frontalität in der Rückseitendarstellung auf einem römischen Medaillon auf (Kaiser in Quadriga). Ferner werden viele Schrötlinge von AES-Meaillons in bimetalllischer Form ausgegeben. Schließlich tritt verstärkt der Monetae-Typ auf, bei dem die Personifaktionen der drei Münzmetalle dargestellt werden. Dieser Typ wird sozusagen konstitutiv für die Medaillons der Soldatenkaiserzeit. Literatur: F. Gnecchi, I medaglioni romani, I-III,Mailand 1912; P.F. Mittag, Römische Medaillons. Caesar bis Hadrian, Stattgart 2010; Th. Bardin, Les émissions de médaillons impériaux et le monnayage festif de Gordien III (238-244 apr. J.-C.), Revue Numimatique, 171(2014)151-178..

gez. Jürgen Lorenz