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Imitationen/Fälschungen

Die Sammlung des Akademischen Kunstmuseums enthält eine Reihe von Kopien nach Sesterzen oder Bronze-Medaillons der römischen Kaiserzeit. Diese Kopien sind zu Beginn des 19. Jh. erworben worden.  Als 1836 das erste Inventar der Sammlung verfaßt wurde, wurde dazu bemerkt, daß die Stücke "unter Einschluß  mehrerer unächte(r)" erfaßt worden seien, die "nur so lange beibehalten werden sollen, bis ächte an deren Stelle gelegt werden können". Bei der jetzigen Inventarisierung der Sammlung sollten auch die Kopien erfasst werden, da sie ein Ausdruck der Receptionsgeschichte sind. Sie waren allerdings von den Originalen zu trennen und in einer gesonderten Abteilung zu erfassen.

Die Praxis,  Imitationen, Nach-Schöpfungen und  Fälschungen herzustellen und zu sammeln, hat eine lange Tradtion und verfolgte in Spätmittelalter, Renaissance, Klassik und Neuzeit ganz unteschiedliche Intentionen ( vgl. M.R.-Alföldi, Antike Numismatik 1978 I S.42). Die Kopien heute von den Originalen zu unterscheiden, ist - je nach Herstellungstechnik und stilistischer Qualität - schwierig. Wir danken Herrn Prof. Dr. Wolfram Weiser, Köln, für die Bestimmung und Erläuterung der Stücke. Als Literatur wurde hierzu vor allem verwandt:Z.H. Klawans, Imitations and Inventions of Roman Coins. Renaissance Medals of Julius Caesar and the Roman Empire, Santa Monica/ca.1977; F. Gnecchi, I medaglioni Romani, Milano 1912; J. Klauss, Die Medaillensammlung Goethes, Berlin 2000; J.M. Toynbee, Roman Medaillons, New York 1943, with an Introduction to the Reprint Edition by W.E.Metcalf, New York 1986.

Die Kopien, um die es in der überwiegenden Anzahl geht, sind spätere Abgüsse nach geprägten Stücken, die heute "Paduaner" genannt werden. Sie waren Produkte des Goldschmieds Giovanni da Cavino ( 1500-1570), der in Padua wirkte, assistiert von mindestens zweien seiner drei Söhne, Vincenzo und Antonio. Als "antiquarischer Berater" fungierte Cavinos Freund Alessandro Bassiano. Bei der Gestaltung der oft prächtigen Kaiserbüsten soll der auf Büsten spezialisierte Künstler Annibale Maggi geholfen haben. Die 122 Stempel kaufte Thomas Lecointe, Antiquar der französischen Krone, der paduanischen Familie Lazzara ab und brachte sie 1670 nach Paris. 54 befinden sich derzeit noch im Besitz des dortigen Cabinet des médailles; die restlichen sind verschollen (Klawans, Seite 5 f, 111). Die heute seltenen geprägten Originale Cavinos wurden immer wieder nachgegossen und von Münzsammlern gern als "Lückenbüßer" für die in dieser Qualität seltenen und kaum erschwinglichen Originale in ihre Sammlungen gelegt.