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Decentius

Die Währungsordnung Diokletians und das spätantike Münzwesen unter Konstantin I, Valentinian I und ihren Nachfolgern

 

Die Währungsordnung Diokletians, die auf dem Aureus, dem Argenteus und dem Follis basierte, war im Verlauf des 4. Jh. n. Chr. immer wieder Gegenstand von Reformen. Das römische Reich hatte sich zwar unter der Tetrarchie stabilisiert, der Ansturm neuer Völker an den Außengrenzen, die Thronstreitigkeiten und die Aufstände im Inneren wirkten sich aber  letztlich auch auf das Geldwesen aus. Schon in der ersten Regierungszeit von Konstantin dem Großen ( 306-324 n. Chr.) wurden die krisenhaften Entwicklungen darin sichtbar, daß im Jahr 309 n. Chr. das Gewicht des Aureus von 1/60 auf 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) herabgesetzt, der Argenteus ab 310 n. Chr. nicht mehr ausgegeben und das Gewicht des Follis schrittweise von ursprünglich 10 g auf 5.2 g (310 n. Chr.) und 3.0 g (322 n. Chr.) reduziert wurde. Im Zuge der Preiserhöhungen mußte der Sold der Soldaten erhöht werden. An die Stelle regelmäßiger Soldzahlungen traten Donative in Form von Multiplen oder gefüllten Börsen, schließlich auch in Naturalien. Im Geldverkehr trat de Nominalwert zurück, so daß sogar die Gold- und Silbermünzen mehr und mehr zum Metallwert gehandelt wurden. Wegen der schwankenden Metallwerte konnte das feste Wertverhältnis zwischen den einzelnen Nominalen nicht mehr aufrecht erhalten werden. Münzen wurden vermehrt gehortet. Um den Münzbetrug in den Prägestätten zu bekämpfen, wurde unter Valentinian I im Jahr 366 n. Chr. angeordnet, daß öffentliche Abgaben nicht mehr in Münzen, sondern in Gold- und Silberbarren zu zahlen waren. Die monetae publicae, die in den verschiedenen Diozösen des Reichs bestanden, wurden auf die Prägung und Ausgabe von Bronzegeld beschränkt. Die Prägung von Gold- und Silbermünzen wurde direkt dem Kaiser - sei es im Palast, sei es in einer mobilen Prägestätte bei dem Herr - unterstellt. Von dieser Reform der Münzorganisation profitierte insbesondere die Goldmünze, der Solidus, der von da ab mit einer Reinheit von 99% begeben wurde. Im Gegensatz zu früher wurde er in großen Umfang geprägt und damit zum tragenden Element des Münzwesens. Goldmünzen wurden nicht mehr nur aus besonderen Anlässen oder zur Tributzahlung an "barbarische" Völker, sondern für den normalen Geldverkehr ausgegeben, auch vermehrt in den Unternominalen des Solidus, des Semissis (1/2 Solidus) und - nach 383 n. Chr. - des Tremissis (1/3 Solidus). An die Stelle des Argenteus trat ab 324 n. Chr. die sog. Siliqua im Gewicht von 1/96 des römischen Pfunds (3.4 g), das allerdings um 355 n. Chr. auf 1/144 des römischen Pfunds (2.2 g) ermäßigt wurde. Neben die Siliqua traten zunächst der sog. leichte Miliarense im Gewicht von 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) und - ab 337 n. Chr.- auch noch der sog. schwere Miliarense im Gewicht von 1/60 des römischen Pfunds (5.4 g). Die Münzreform unter Valentinian I verbesserte auch die Reinheit der Silbermünzen. Gleichwohl verlor das Silbergeld, insbesondere ab 402 n. Chr. an Bedeutung, möglicherweise wegen des zunehmenden Materialmangels. An die Stelle der Follis trat zunächst eine Billon-Münze im Gewicht von 3 g , später reduziert auf 2.5 g. Vermutlich im Zusammenhang mit dem 1100jährigen Jubiläum Roms wurde im Jahr 347/48 n. Chr. unter Konstantin II das Billon- und Kupfergeld reformiert. Es wurde eine Billon-Münze im Gewicht von 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) ausgegeben, die vermutlich nummus oder cententionalis ( A 3) genannt wurde. Daneben traten ein schweres Geldstück im Gewicht von 1/60 des römischenPfund ( 5.4 g), die sog. Maiorina (A 2), und ein reines Kupferstück im Gewicht von 1/120 g des römischen Pfunds (2.7 g) (A 4). Einige Jahre später wurde unter Magnentius und Julian II noch eine Doppel-Maiorina (A 1) im Gewicht von 9 g, allerdings ohne Silbergehalt, ausgegeben. Dies verhinderte aber nicht, daß das nunmehr viergliedrige Währungssystem nach wenigen Jahren verfiel. Es konnte auch nicht durch die Reform unter Valentinian I im Jahr 379 n. Chr. dauerhaft wiederbelebt werden. Im Gegenteil: in den folgenden Jahrzehnten wurde das schwere Billon- und Kupfergeld widerrufen und die Ausgabe des Kupfergeldes - zunächst im Westen, dann ab 402 n. Chr. auch im Osten des Reichs - auf die kleinste Einheit (A 4) als Standardmünze beschränkt. Literatur: R.Abdy, Tetrarchy and the House of Constantine, und S. Moorhead, The Coinage of the Later Roman Empire, 364-498, in: W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, Oxford 2012, 584-632 mit weiteren Nachweisen.

Die Währungsordnung Diokletians und das spätantike Münzwesen unter Konstantin I, Valentinian I und ihren Nachfolgern

 

Die Währungsordnung Diokletians, die auf dem Aureus, dem Argenteus und dem Follis basierte, war im Verlauf des 4. Jh. n. Chr. immer wieder Gegenstand von Reformen. Das römische Reich hatte sich zwar unter der Tetrarchie stabilisiert, der Ansturm neuer Völker an den Außengrenzen, die Thronstreitigkeiten und die Aufstände im Inneren wirkten sich aber  letztlich auch auf das Geldwesen aus. Schon in der ersten Regierungszeit von Konstantin dem Großen ( 306-324 n. Chr.) wurden die krisenhaften Entwicklungen darin sichtbar, daß im Jahr 309 n. Chr. das Gewicht des Aureus von 1/60 auf 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) herabgesetzt, der Argenteus ab 310 n. Chr. nicht mehr ausgegeben und das Gewicht des Follis schrittweise von ursprünglich 10 g auf 5.2 g (310 n. Chr.) und 3.0 g (322 n. Chr.) reduziert wurde. Im Zuge der Preiserhöhungen mußte der Sold der Soldaten erhöht werden. An die Stelle regelmäßiger Soldzahlungen traten Donative in Form von Multiplen oder gefüllten Börsen, schließlich auch in Naturalien. Im Geldverkehr trat de Nominalwert zurück, so daß sogar die Gold- und Silbermünzen mehr und mehr zum Metallwert gehandelt wurden. Wegen der schwankenden Metallwerte konnte das feste Wertverhältnis zwischen den einzelnen Nominalen nicht mehr aufrecht erhalten werden. Münzen wurden vermehrt gehortet. Um den Münzbetrug in den Prägestätten zu bekämpfen, wurde unter Valentinian I im Jahr 366 n. Chr. angeordnet, daß öffentliche Abgaben nicht mehr in Münzen, sondern in Gold- und Silberbarren zu zahlen waren. Die monetae publicae, die in den verschiedenen Diozösen des Reichs bestanden, wurden auf die Prägung und Ausgabe von Bronzegeld beschränkt. Die Prägung von Gold- und Silbermünzen wurde direkt dem Kaiser - sei es im Palast, sei es in einer mobilen Prägestätte bei dem Herr - unterstellt. Von dieser Reform der Münzorganisation profitierte insbesondere die Goldmünze, der Solidus, der von da ab mit einer Reinheit von 99% begeben wurde. Im Gegensatz zu früher wurde er in großen Umfang geprägt und damit zum tragenden Element des Münzwesens. Goldmünzen wurden nicht mehr nur aus besonderen Anlässen oder zur Tributzahlung an "barbarische" Völker, sondern für den normalen Geldverkehr ausgegeben, auch vermehrt in den Unternominalen des Solidus, des Semissis (1/2 Solidus) und - nach 383 n. Chr. - des Tremissis (1/3 Solidus). An die Stelle des Argenteus trat ab 324 n. Chr. die sog. Siliqua im Gewicht von 1/96 des römischen Pfunds (3.4 g), das allerdings um 355 n. Chr. auf 1/144 des römischen Pfunds (2.2 g) ermäßigt wurde. Neben die Siliqua traten zunächst der sog. leichte Miliarense im Gewicht von 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) und - ab 337 n. Chr.- auch noch der sog. schwere Miliarense im Gewicht von 1/60 des römischen Pfunds (5.4 g). Die Münzreform unter Valentinian I verbesserte auch die Reinheit der Silbermünzen. Gleichwohl verlor das Silbergeld, insbesondere ab 402 n. Chr. an Bedeutung, möglicherweise wegen des zunehmenden Materialmangels. An die Stelle der Follis trat zunächst eine Billon-Münze im Gewicht von 3 g , später reduziert auf 2.5 g. Vermutlich im Zusammenhang mit dem 1100jährigen Jubiläum Roms wurde im Jahr 347/48 n. Chr. unter Konstantin II das Billon- und Kupfergeld reformiert. Es wurde eine Billon-Münze im Gewicht von 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) ausgegeben, die vermutlich nummus oder cententionalis ( A 3) genannt wurde. Daneben traten ein schweres Geldstück im Gewicht von 1/60 des römischenPfund ( 5.4 g), die sog. Maiorina (A 2), und ein reines Kupferstück im Gewicht von 1/120 g des römischen Pfunds (2.7 g) (A 4). Einige Jahre später wurde unter Magnentius und Julian II noch eine Doppel-Maiorina (A 1) im Gewicht von 9 g, allerdings ohne Silbergehalt, ausgegeben. Dies verhinderte aber nicht, daß das nunmehr viergliedrige Währungssystem nach wenigen Jahren verfiel. Es konnte auch nicht durch die Reform unter Valentinian I im Jahr 379 n. Chr. dauerhaft wiederbelebt werden. Im Gegenteil: in den folgenden Jahrzehnten wurde das schwere Billon- und Kupfergeld widerrufen und die Ausgabe des Kupfergeldes - zunächst im Westen, dann ab 402 n. Chr. auch im Osten des Reichs - auf die kleinste Einheit (A 4) als Standardmünze beschränkt. Literatur: R.Abdy, Tetrarchy and the House of Constantine, und S. Moorhead, The Coinage of the Later Roman Empire, 364-498, in: W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, Oxford 2012, 584-632 mit weiteren Nachweisen.