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Domitian

Die Münzprägung unter den Flaviern: Vespasian (69-79), Titus ((79-81) und Domitian (81-96 n. Chr.)

Die Kriege um die Macht in Rom nach dem Tod von Nero hinterließen ihre Spuren auch in Finanz- und Münzwesen. Die Emissionen der Imperatoren, die von den Heeren in Spanien (Galba), Germanien ( Vitellius) und Levante (Vespasian) ausgerufen wurden, wurden zunächst nicht in Rom, sonden an den jeweiligen Standorten geprägt. Da sie häufig als Sold und Donative dienten, überwog die Ausprägung in Gold und Silber. Ihre Münzbilder richteten sich an das Heer und - wenn die Adressaten der Senat oder das Volk in Rom waren - sollten sie die tradtionellen republikanischen und kaiserlichen Tugenden zum Ausdruck bringen. In jedem Fall ruinierten die Kriege die Staatsfinanzen. Vepasian schätzte das Defizit im Staatshaushalt bei der Machtübernahme auf 10 Mrd. Denare (Sueton, Div. Vesp. 16). Seine primären Maßnahmen galten daher der Neuordnung der staatlichen Institutionen und der Verbesserung des Staatshaushalts, in diesem Rahmen auch der Organisation des Geldwesens. Im Laufe der ersten Regierungsjahre wurde die Münzprägung, vor allem die in Gold und Silber, auf Rom konzentriert. Aureus und Denar bestimmten von nun an auch den Geldumlauf im Osten des Reichs. Entsprechend wurde die Provinzialprägung reduziert, die dortigen Münzen z.T. sogar in Rom hergestellt. Von nun an wurden regelmäßig, meist jährlich Münzen in allen Metallen in Verkehr gebracht. Die römische Reichsverwaltung plante daher - von der Metallgewinnung an und in Abstimmung mit den Provinzinstanzen - die jährliche Münzproduktion. Durch die Datierung der kaiserlichen Titel, wie Konsul, tribunicia potestatis und Imperator, wurde ein Großteil der Emissionen datiert. In der Münzstätte Rom wurde der Produktionsprozeß rationalisiert, sei es durch die Bildung eines zentralen Pools für Rs-Stempel oder sei es durch die Einrichtung von Officinen, die an den jeweiligen Emissionen parallel arbeiteten.Die Schrötlinge wurden verbreitert und in der Form regelmäßiger. Den Stempelstechern wurden Profilbildnisse als Vorlage für die Stempel, möglicherweise auch für die Herstellung von Patrizen gegeben. Die Massenprägung übernahm die konventionellen Typen, die sich in der julisch-claudischen Zeit und zuletzt im Drei-Kaiser-Jahr entwickelt hatten. Daneben traten Sonderprägungen aus bestimmten Anlässen, wie den Siegen über Judäa oder Germania, den Aufbau des Kapitols, des Vesta-Tempels oder des Kolosseums in Rom, Familien- und Dynastieprägungen. Der Einzug umlaufender Münzen wurde mit der Ausgabe von Kopien republikanischer Prägungen und  von Restitutionsmünzen der vom Senat anerkannten "guten Kaiser" ausgeglichen. Unter Domitian wurde erstmals Silbermedaillons oder 4-.5- und 8-Denar-Multipla geprägt. Unter ihm wurde im Jahr 82 der Silbergehalt des Denars und das Gewicht des Aureus verbessert, die Verbesserung allerdings im Jahr 85 n. Chr. zum Teil wieder zurückgenommen. Insgesamt erreichte das Emissionsvolumen Höhepunkte unter Vespasian in den Jahren 71 und 75 n. Chr., unter Domitian in den Jahren 85 bis 91 n. Chr.. Der Staatshaushalt erhöhte sich von 600 Mio Sesterzen unter Augustus auf geschätzte 800 Mio Sesterzen unter Domitian. Hauptausgabeposten: das Heer mit 535 Mio, vormals geschätzte 400 Mio Seterzen. Darin schlägt sich vor allem die Solderhöhung von 33 1/3 % oder 210 auf 280 Mio Sesterzen unter Domitian nieder. Literatur: I.A. Carradice/T.V. Buttrey, The Roman Imperial Coinage.Vol.2.1 The Flavian Emperors, London 2007; T.V. Buttrey, Vespasian as Moneyer, NC 12(1972)89-109; I. Carradice, Flavian Coinage, in E.W. Metcalf, The Oxford Handbook of Roman and Greek Coinage, 2011,375-390;J.-B. Giard, Monnaies de l`Empire Romain,III Du soulèvement des 68 aprés J.-C. à Nerva, Paris 1998;C.H.V. Sutherland, Münzen der Römer, München 1974,171-191;Kent-Overbeck-Stylow.Hirmer, Die Römische Münze, München 1973,29-34;H. Komnick, Die Restitutionmünzen der frühen Kaiserzeit, Berlin 2001;R. Wolters, Nummi Signati, München 1999, 202-251