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Antoninus Pius

Antoninus Pius (138-161 n. Chr.): Chronologie, Metrologie, Geldumlauf: Die in dem ersten Jahr seiner Regentschaft ausgegebenen Münzen spiegeln den Konflikt mit dem Senat über die letztwilligen Verfügungen Hadrians hinsichtlich seiner Nachfolge wider. Die zugunsten des Antoninus angeordneten Ehrungen – die Designation des Konsulats und die Titel "Pontifex Maximus" und "Augustus" - erscheinen zunächst in den Münzlegenden, werden dann aber wieder zurückgenommen. Erst nach der Drohung mit seinem Rücktritt und dem Nachgeben seitens der Senatsopposition finden sich in den Münzlegenden zunächst der Titel „Augustus“, dann der des „Pontifex Maximus“, weiter der die Adoption kennzeichnende Titel „Hadrianus“, dann der Titel „Pius“ und schließlich die Übernahme des Konsulats. Gleichzeitig wird dann auch die Serie zur Konsekration von Hadrian ausgegeben. Die Chronologie der unter Antoninaus Pius geprägten Münzen ergibt sich in den folgenden Jahren aus der Übernahme eines weiteren Konsulats und dann aus dem Jahr für Jahr erneuerten Amt der Tribunicia Potestatis. Die Prägefolge der Münzen für den Kaiser, weniger der für die Kaiserinnen, liegt damit fest. Stilistische Entwicklungen, historische Ereignisse und die datierten Münzen der sog. Provinzialprägung, insbesondere die Jahr für Jahr ausgegebenen Münzen von Alexandria, können ergänzend hinzugezogen werden. Die neueren metallurgischen Analysen des den Geldumlauf dominierenden Denars führten zu unterschiedlichen Ergebnissen: Nach D.R. Walker wurde im Jahr 148 der Silber-Feingehalt von 87-90% auf 82-85 % reduziert und in den folgenden Jahrzehnten, vor allem auch unter Marc Aurel, wiederholt manipuliert. Darauf stützt sich die Auffassung, daß der römische Staat schon im 2. Jh. n. Chr. durch Spenden und Spiele, Kriege und Subsidien sowie durch eine Reduktion der Metallproduktion mehr und mehr erschöpft wurde. K.Butcher/M.Ponting kritisieren die früheren Analysen dahin, daß sie die unterschiedliche Reaktion von Kupfer und Silber sowie die Anreicherung des Silbers an der Oberfläche der Münzen nicht berücksichtigen. Nach ihren Analysen wurde nicht im Jahr 148, sondern im Jahr 155/156 der Feingehalt auf ca. 70% reduziert, blieb dann aber unverändert auf diesem Niveau bis zum Ende des 2. Jh. n. Chr. Die These, daß die Krise des römischen Reichs bereits im 2. Jahrhundert eingesetzt habe, könne mit der Metallzusammensetzung des Denars nicht begründet werden. Obwohl auch unter Antoninus Pius und seinen Nachfolgern an dem Nominalsystem der frühen Kaiserzeit festgehalten wurde, änderte sich der Geldumlauf. Es wurde mehr Gold, insbesondere Quinare, möglicherweise als Donative, ausgeprägt. Während der Sesterz regulär weiter geprägt wurde, wurden weniger Dupondien, Asse und Semisse in Verkehr gebracht. Auch dies wird mit einer geringeren Silberproduktion und mit erhöhten Staatsausgaben in Zusammenhang gebracht, allerdings könnte diese Entwicklung auch mit der Zunahme der sog. Provinzialprägung erklärt werden. Unter dem Begriff „Provinzialprägung“ werden die von 4 Emittentengruppen ausgegebenen Münzen subsumiert: Klientelkönige, Provinzen, Städtebünde und Städte. In Alexandria, Kappadokien , Syrien und Kleinasien wurde Silber, in dem Bosporianischen Königtum sogar Gold ausgeprägt. Den größten Umfang nehmen aber die Bronzeemissionen von etwa 380 Prägestätten, vor allem im östlichen Reichsteil, ein. Es wurde dort an Griechisch als Sprache der Münzlegenden festgehalten, aber von dem griechischen Obol- auf das römische Assarion-System übergegangen. In der Provinzialprägung, zunehmend aber auch in der Reichprägung wurden „Erinnerungsmünzen“ ausgegeben. Die Sonderprägungen der Städte erschienen meist aus besonderen Anlässen, wie Kaiserbesuche, Spiele und Feste, städtische Ehrungen. In Rom wurden Münzen anlässlich der fünffachen Liberalitas, des 10-jährige Regierungsjubiläums, der 900 Jahr Feier, der Konsekration von Mitgliedern der Kaiserfamilie, vor allem als Donative und in der Form des Medaillons ausgegeben. Ein Spezifikum dieser Dynastie sind die Münzen mit den Porträts der Kaiserinnen. Der Anteil dieser Prägungen an der Münzproduktion verdoppelte sich gegenüber der Regierungszeit von Hadrian und erreichte unter Antoninus Pius 39% (bei Gold), 30% (bei Silber) und 30 (bei Bronze); in der Provinzialprägung belief sich der Anteil der Prägungen für die Kaiserinnen sogar 48%. Maßgebend für diese Prägungen könnten als Staatsziele die Sicherung der Dynastie, die Pietas und Concordia des Kaiserhauses und schließlich die Fruchtbarkeit und Glückseligkeit der antoninischen Zeit sein. Literatur:H. Mattingly, Coins of the Roman Empire in the British Museum, Bd.IV. Antoninus Pius to Commodus, 1940; P.C. Strack, Untersuchungen zur Römischen Reichsprägung des zweiten Jahrhunderts, Part.3. Die Reichsprägung zur Zeit des Antoninus Pius, Stuttgart 1937; P.V. Hill, The Dating and Arrangement of the undated Coins of Rome, 98-148, London 1970; L.M. Yarrow, Antonine Coinage, in W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, 2012,422-452; D.R. Walker, The Metrology of Roman Silver Coinage, Part.II, from Nerva to Commodus, BAR Supp.ser.22, Oxford 1977; K.Butcher/M. Ponting, The Beginning of the End? The Denarius in the Second Century, NC 172(2012)63-83; K. Kraft, Das System der kaiserzeitlichen Münzprägung in Kleinasien, Berlin 1972;C. Howgego,V. Heuchert,A.Burnett(eds.), Coinage and Identy in the Roman Provinces, Oxford 2005; Nollé/Overbeck/Weiss, Internationales Kolloquium zur kaiserzeitlichen Münzprägung in Kleinasien, 27.-29. April 1994 in München, Milan 1997; P.F. Mittag, Römische Medaillons, Caesar bis Hadrian, Stuttgart 1012; K.F. Fittschen, Die Bildnistypen der Faustina Minor und die Fecunditas Augustae, Göttingen 1982; ders., Prinzenbildnisse Antoninischer Zeit, Mainz 1999