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Geta

Rom unter den Severern (193-235 n. Chr.): Metrologie, Nominalsystem, Erschütterung des augustäischen Währungssystems: 

Die inneren Kämpfe um die Nachfolge des Commodus in den Jahren 193 bis 197 sowie die Kriege gegen die Parther im Osten, in Germanien und Britannien im Westen beeinträchtigten die Staatsfinanzen. Da etwa ¾ der Staatsausgaben dem Heer zugute kamen, musste die Erhöhung des Solds im Jahr 197 von 300 auf 600 Denare und die weitere Anhebung im Jahr 212 um 50 % auf 750 Denare pro Jahr und Soldat den Staatshalt erheblich belasten. Die Kosten der 6 unter Septimius Severus verteilten Geldspenden an das Volk (Liberalitates) werden auf 220 Millionen Denare geschätzt, hinzu kamen die aufwendungen für Feste, Spiele, Bauten usw.. Proskriptionen, Konfiskationen und Eroberungen reichten für den Finanzausgleich nicht aus, auch nicht die mit der Steuerzahlung verbundene Verleihung der Bürgerrechte an alle freien Reichsbürger im Jahr 212 (Constitutio Antoniniana). Bereits Mitte 195 wurde der Feingehalt des Denars von 70 % auf rd. 40 % reduziert. Der Gewicht des Aureus wurde unter Caracalla von 7.25 g auf 6.5 g herabgesetzt. Gleichzeitig wurde im Jahr 215 zwar ein Doppel-Aureus mit korrektem Gewicht und hohen Feingehalt ausgegeben, diese Prägung aber alsbald wieder eingestellt. Nachhaltiger war die gleichzeitige Ausgabe einer Silbermünze im Gewicht von rd. 5 g –nach überwiegender Meinung trotz des reduzierten Gewichts dem Nennwert nach ein Doppeldenar. Diese heute als „Antoninian“ bezeichnete Münze wurde mit demselben reduzierten Silber-Feingehalt von 40 % wie der Denar geprägt. Seine Ausgabe wurde unter Elagabal seltener, unter Severus Alexander ganz eingestellt. Das unter Augustus eingeführte Währungssystem mit festen Wertverhältnissen unter den Münzmetallen „Gold, Silber und Bronze“  wurde durch die Reduktion der Münzgewichte und des Feingehalts des Denars in Frage gestellt. Dafür, daß diese widersprüchlichen währungspolitischen Maßnahmen allgemein bewusst wurden, sprechen Münzbilder wie das der „Aequitas“ oder das der „drei Monetae“, insbesondere das des Severus Alexander als „Restitutor Monetae“ (Wiederhersteller des Münzwesens). Auch das Bronzegeld war von diesen Entwicklungen betroffen. Der Sesterz wurde zwar noch regelmäßig weiter geprägt, nicht aber Dupondien und Asse. Dadurch änderte sich die Struktur des Geldumlaufs im Reich: im Westen wuchs der Anteil von abgenutzten, früher ausgegebenen Stücken, von Notgeld und Fälschungen, wie z.B. die sog. Limesfälschungen, während im Osten die Provinzialprägung, insbesondere im Donau-Raum sprunghaft zunahm. Ökonomisch und währungspolitisch entwickelten sich die Reichsteile auseinander. Der Schwerpunkt der Reichsmünzprägung lag zu dieser Zeit noch in Rom, allerdings prägten Pescennius Niger in Antiochia, Claudius  Albinus in Lugdunum, Septimius Severus in Alexandria und Caesarea ( Kappadokien) sowie Elagabal vermutlich in Nikomedia. Die Organisation der Münzstätte in Rom wurde wegen der wachsenden Anforderungen an die Geldproduktion durch Arbeitsteilung rationalisiert. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die bestimmte Münztypen für alle drei Münzmetalle herstellten;  aus ihnen gingen um die Mitte des 3. Jahrhunderts die auf den Münzen gekennzeichneten Gruppen mit den Nummern I – VI hervor, später dann die durch Marken gekennzeichneten Offizinen. Die Technik der Herstellung von Schrötlingen wurde verbessert: das durch mehrfaches Glühen an der Oberfläche entstandene Kupferoxyd wurde durch Beizen in einem Essig- oder Zitronensäure entfernt, und durch den Hammerschlag  aus dem verbliebenen Silber eine feste, glänzende Schicht an der Oberfläche des Denars erzeugt. Von der Massenproduktion hoben sich die qualitätvollen Sonderprägungen (Medailllone) ab, die aus bestimmten Anlässen geprägt wurden, die aber außerhalb des offiziellen Nominalsystems standen. Stilistisch und thematisch änderte sich die Münzprägung in der Zeit der Severer: insgesamt stieg nicht nur in der Provinzial-, sondern auch in der Reichsprägung der östliche Einfluß. Unter Septimius Severus, Caracalla und insbesondere unter Elagabal erschienen Götter des Ostens im römischen Pantheon, wie Isis und Serapis, Sol und Luna, Sol invictus und Ba`al. Die römisch-konservative Gegenreaktion unter Severus Alexander konnte diesen östlichen Einfluß auf die Münzprägung auf lange Sicht nicht aufhalten. 

Literatur: H.Mattingly, Coins of the Roman Empire in the British Museum, London, Vol. V.Pertinax to Elagabal (1952), VI. Severus Alexander to Balbinus and Pupienus(1962), bearbeitet von R.G. Carson; J.P. Kent/B. Overbeck/A.U. Stylow, Die Römische Münze, München 1973, 39-44; R. Abdy, The Severans, in W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coins, 2012, 499-513; R.G. Carson, System and Products in the Roman Mint, in Carson/Sutherland (eds.), Essays H. Mattingly, London 1956, 220-239; A.M. Woodward, The Coinage of Pertinax, NC 1957, 84-96; V. Zedelius, Untersuchungen zur Münzprägung von Pertinax bis Clodius Albinus, Münster 1975; R.F. Bland/A.M. Burnett/S.Bendall, The Mints of Pescinnius Niger, NC 147(1987)65-83; P.V. Hill, The Protraiture of Septimius Severus and his Family on Coins from the Mint of Rom AD 183-217, in M. Price/A. Burnett/R.F. Bland (eds.), Essays R. Carson and K. Jenkins,London 1993, 183-189;H. Gitler/M. Ponting, The Silver Coinage of Septimius Severus and his Family (193-211), Glaux16, Milan 2003;D. Salzmann. Die Bildnisse des Macrinus, Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts Bd.98 (1983)351-381;M. Thirion, The Monnayage d`Elagabal (218-222), Brussels 1968; G.C. Boon, “Light-weights and Limesfalsa”, NC 1965,161-174;