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Etrurien, Latium, Kampanien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

In Campanien, an der Grenze zwischen dem griechischen und dem etruskischen Einflußbereich, setzte die Münzprägung in der Zeit der Seeschlacht zwischen Syrakus unter Hieron I einerseits, der verbündeten etruskisch-carthagischen Flotte andererseits im Jahr 474 v. Chr. ein. Unter dem Einfluß von Sizilien, der auch in der Wahl und der Gestaltung der Münzbilder spürbar ist, gab Cumae Münzen auf dem attisch-euböischen Standard aus. In dem benachbarten Lukanien wurde der Geldumlauf allerdings von den Didrachmen dominiert, die Velia auf dem phokaischen Standard ( Stater von 7.5 g) ausgab. Daher wechselte Cumae alsbald zu dem phokaischen Standard. Bei den zuvor auf dem  euböisch-attischen Standard ausgegeben Münzen handelte es sich zunächst um Drachmen des korinthischen Dreier-Systems ( 1 Drachme=1/3 Stater), dann um attische Didrachmen. Bei den auf dem phokäischen Standard ausgegebenen Münzen lag der Schwerpunkt - ebenso wie in Velia - auf den Didrachmen. Es ist allerdings ein Kennzeichen der Münzprägung Campaniens, daß in beachtlichen Umfang auch Silberkleingeld, insbesondere Obole ausgegeben wurden. An die Stelle des Silberkleingelds trat um die Mitte des 4. Jh. v. Chr. das Bronzegeld. Es wurde in 4 Nominalen ausgegeben. Der damalige Nominalwert ist nicht bekannt, so daß man sie mit den Einheiten: 1,1/2,1/3 und 1/4 benennt. Vermutlich wegen der noch umlaufenden Obole wurden zunächst nur Münzen mit den Einheiten von 1/3 und 1/4 in Verkehr gebracht, bis dann ab Ende des 4. Jh. v. Chr. alle 4 Nominale ausgegeben wurden. - Die Münzprägung Campaniens wird in 5 Phasen gegliedert: In der Zeit von 475 bis 421 v. Chr. bestimmten die Münzen von Cumae mit dem Kopf der Athena im korinthischen Helm und der Nymphe Kyme den Geldumlauf. Nach der Einahme von Cumae durch die Campani übernahmen die Münzen von  Neapolis, das bereits seit der Mitte des 5. Jh. v.Chr. Münzen mit dem Bild der Nymphe Parthenope ausgegeben hatte, diese Rolle. In der unsicheren Zeit an der Wende vom 5. zum 4. Jh. v. Chr. intensivierte sich die Münzprägung. Ab 380/70 v. Chr. setzte dann die Münzprägung der übrigen Städte Campaniens aus, und auch Neapolis beschränkte sich auf die Ausgabe von Didrachmen. Um die Mitte des 4. Jh. v. Chr. änderte sich dieses Bild: in der Zeit von 350 bis 275 v. Chr. gaben nicht nur Neapolis, sondern auch die benachbarten Münstätten, z.T. untereinander kooperierend, Münzen aus. Die Didrachmen ( Kopf der Parthenope nach rechts) und die - nach dem Vorbild von Herakleia und Thourioi - ausgeprägten Obole bestimmten den Geldumlauf. In der Zeit des Agathokles von Syrakus wurden auch erstmals Triobole geprägt. Wichtiger für die weitere Münzgeschichte war aber der Übergang zur Bronzeprägung. Das Bündnis mit Rom verstärkte nur kurzfristig die Position von Neapolis. Unter dem zunehmenden Einfluß Roms setzte es die Ausgabe von Didrachmen ( Kopf der Parthenope nach links) noch bis etwa zum Ende des 1. punischen Kriegs (264-241 v. Chr.) , wieder in Kooperation mit Nachbarstädten wie Cales, Suessa und Nuceria, fort. Literatur: N.K. Rutter, Campanian Coinages 475-380 B.C., Edingburgh1979; ders. Greek Coinages of Southern Italy and Sicily, London 1997; ders. Historia Numorum, London 2001; La monetazione di Neapolis nella Campania antica, Atti del VII Convegno del Centro Internationale di Studi Numismatici, Neapel 1986.