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Kalabrien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Die Münzprägung von Tarent basierte auf dem achäischen Standard. Charakteristisch war der Stater von 7.8 bis 8 g., der sog. nomos. Er war zu Beginn von 1/3- und 1/6-Stateren begleitet; dann folgte Tarent aber dem Zweier-System mit der Drachme als ½ Stater. Ein weiteres Kennzeichen der Münzprägung von Tarent ist das breite Spektrum der Nominale. Das Silberkleingeld folgte zum einen dem griechischen Obol- und zum anderen dem lokalen Litra-System. So wurden also nicht nur in großem Umfang Diobole und Obole, sondern auch Litrai (1/10-Stater), Hemilitrai (1/20-Stater) und Hexas (1/60-Stater) ausgegeben. Wertzeichen in Form von Kugeln machten den Nominalwert deutlich. Ab der ersten Hälfte des 4. Jh. v. Chr. gab es wegen der Übergriffe von Dionysios I aus Syrakus und der Bedrohung durch einheimische Stämme eine Koalition der griechischen Stadtstaaten an der Südküste Italiens, die sich u.a. in gleichzeitig auftretenden Namen der Münzbeamten, später auch in gemeinsamen Bildmotiven bemerkbar macht.  Die in der zweiten Hälfte des 4. Jh. aus Griechenland zu Hilfe gerufenen Feldherrn ( Archidamus von Sparta, 344-338; Alexander der Molosser, 334-331, Cleonymes von Sparta und vor allem Pyrrhos von Epiros, 280 – 275) prägten zum Teil selbst, d.h. in ihrem heimischen Gewichts- und Nominalsystem. Sie beeinflussten aber auch die Münzprägung Tarents. Denn Tarent gab seit dem 3. Viertel des 4. Jh. v. Chr. ebenfalls Goldstatere attischen Standards, wiederum mit mehreren Unternominalen, aus. Erstaunlicherweise sah es selbst in diesen angespannten Zeiten davon ab, dem allgemeinen Trend zu Bronzemünzen zu folgen. Bronze wurde in Tarent erst am Ende des 3. Jh. v. Chr. während des 2. punischen Kriegs ausgeprägt. Der traditionelle Gewichtstandard wurde bis in die Zeit der Pyrrhos-Kriege beibehalten. Um 281 v. Chr. wurde er dann aber drastisch reduziert, so daß das Gewicht des Staters auf 6.6.g absank, übrigens parallel zu den Emissionen von Croton, Heracleia und Thourioi. Tarent prägte im Verlauf des 3. Jh. v. Chr. weiter, d.h. auch als es schon unter dem römsichen Einfluß stand. Die Münzprägung Tarents endete um 209 v. Chr., also mit der Eroberung durch die Römer im 2. punischen Krieg , in dessen Verlauf Tarent noch kurzzeitig auf der Seite Hannibals Münzen punischen Standards ausgegeben hatte.- Die Münzprägung Tarents begann um 510 v. Chr. mit sog. incusen Prägungen mit dem Bild des Hyakinthos. Es folgten Emissionen, bei denen auf der Rückseite der Münzen sich ein Rad oder der Kopf der Nymphe Sartyra befanden. Im zweiten Viertel des 5. Jh.v. Chr. wurden – offensichtlich durch zwei parallel tätige Officinen – sowohl Münzen mit einer sitzenden männlichen Figur als auch Münzen mit dem für die zukünftige Münzprägung typischen Reiter ausgegeben. Ab dem letzten Quartal des 5. Jh. bestimmten dann der Reiter auf der Vorderseite und der Delphinreiter auf der Rückseite die weitere Münzprägung. Die numismatische Literatur folgte der Chronologie, die A. Evans in seinem Standardwerk auf der Basis der geschichtlichen Ereignisse und der Stilentwicklung erstellt hatte. Er gliederte die Zeit von der Mitte des 5. Jh. bis in das 3. Jh. v. Chr. in 7 Abschnitte. Unter der zusätzlichen Berücksichtigung der Hortfunde, der Überprägungen und der Stempelkoppelungen werden in dem Münzcorpus von W. Fischer-Bossert für die Zeit von 510 bis 280 v. Chr. 15 Phasen mit insgesamt 82 Gruppen unterschieden und damit die Chronologie der Müzprägung Tarents wesentlich verbessert. Literatur: N.K. Rutter, Greek Coinges of Southern Italy and Sicily,London 1997; A.J. Evans, The "horsemen" of Tarentum, NC 1889,1-342;O.E.Ravel, The Collection of Tarentine Coins formed by M.P. Vlasto, London,1947; W. Fischer-Bossert, Chronologie der Didrachmenprägung von Tarent, Berlin 1999