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Lukanien

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Die Kolonisation Süditaliens ging vor allem von den Achäern der Peloponnes aus. Die neuen Siedlungen waren zwar unabhängig von ihren Mutterstädten; die Siedler brachten aber die Verfassung, den Kult und u.a. auch das Gewichts- und Währungssystem mit. Silber wurde in der Nähe von Sybaris abgebaut oder von Etrurien eingeführt. Auf ihm basierte das Währungssystem. In der 2. Hälfte des 5. Jh. v. Chr. setzte – ebenso wie in Sizilien – die Bronzeprägung ein. Gold wurde nur in Tarent und Metapont im 4. Jh. v. Chr. ausgeprägt. - In  Sybaris/Thourioi und Metapont galt der achäische Gewichtstandard mit einem Stater von rd. 8 g. Allerdings betrug die Drachme in Sybaris/Thourioi – wie in Korinth – 1/3-Stater, in Metapont dagegen 1/2-Stater. Poseidonia, obwohl eine Tochterstadt von Sybaris, begann die Münzprägung auf dem phokäischen Standard (Stater=7.5 g), ging dann aber zu dem Gewichts- und Nominalsystem der Mutterstadt über. Hyele/Velia, das von phokäischen Siedler aus Kleinasien gegründet worden war, prägte Münzen auf dem phokäischen Standard, allerdings – im Gegensatz zur Mutterstadt – mit Drachmen im Gewicht von einem ½-Stater.-  Entsprechend vielfältig waren die Nominale: Stater, Drachme (1/2 oder 1/3 Stater), Tetrobol, Triobol (=1/2 Drachme), Diobol, Obol und später in Thourioi und Metapont auch Distater.-  Die Münzprägung setzte in Sybaris und Metapont um die Mitte des 6. Jh. Chr. mit der Ausprägung in der sog. inkusen Technik ein. Die flachen, justierten und umrandeten Münzen wurden trotz des hohen  Emissionsvolumens sorgfältig hergestellt. Diese ansonsten in Griechenland nicht anzutreffende Technik wurde noch beibehalten, als ab etwa 510 v. Chr. ( Zerstörung von Sybaris) die Schrötlinge dicker und gedrungener wurden. Erst um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. ( Gründung von Thourioi um 446 v. Chr. ) gingen die Münzstätten Lukaniens – einschließlich des neu gegründeten Herakleia - zu der üblichen Münzprägung im Relief auf beiden Münzseiten über. Dies gilt auch für Velia, das zunächst nach dem Vorbild der Mutterstadt – Münzen mit einem Quadratum incusum auf der Rückseite geprägt hatte. In Poseidonia endete die Münzprägung um 400 v. Chr.. Die übrigen Münzstätten setzen die Münzprägung - nun auch die Bronzeprägung - im 4. und 3. Jh. v. Chr. intensiv fort. Die Münzen Großgriechenlands werden kaum im übrigen Griechenland gefunden; die engen Verbindungen zu Korinth und Athen  spiegeln sich aber - abgesehen von den häufigen Überprägungen -  in dem hohen Umlauf korinthischer und athenischer Münzen in Süditalien wider. Angesichts ihrer großen Bedeutung wurden die Münzen Süditaliens - mit der Expansion Roms – zum Wegbereiter des sich im 3. Jh. v. Chr. entwickelnden römischen Münzwesens.Literatur: N.K: Rutter, The Greek Coinage of Southern Italy and Sicily, London 1997; ders. Historia Numorum, London 2001;C.M. Kraay, The coinage of Sybaris after 510 B.C., NC 1958,S. 13-17;S.P Noe, The Coinage of Metapontum, Part.1 und 2 New York 1984, A. Johnston, Part. 3, New York 1990; F. van Keuren, The Coinage of Heraclea Lucaniae, Rom 1994; R.T. Williams, The Silver Coinge of Velia, London 1992; S.P. Noe, The Thurian Di-Staters ANS NNM 71, 1935; Atti del Convegno del Centro internazionale di Studi numismatici ; la Circulatione della moneta ateniese in Sicilia e in Magna Graecia, Rom  1969, La monetazione corinzia in Occidente, Rom 1993; Cahn/Mildenberg/Russo, Voegtli, Griechische Münzen aus Großgriechenland und Sizilien, Basel 1988.