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Bruttium

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Croton und seine Tochtestädte Caulonia und Terina waren in Bruttium - wenn man man Rhegion/Messana  wegen des Einflusses der sizilischen Münzprägung außer Betracht läßt - die wichtigsten Münzstätten in archaischer und klassischer Zeit. Ebenso wie Sybaris und Metapont war Croton eine Gründung von Siedlern aus der Peloponnes. Es galt daher auch hier der achäische Gewichtstandard mit dem Stater von 7.8 - 8.0 g. Wie die anderen achäischen Gründungen verwandten Croton und Caulonia die incuse Prägetechnik, d.h. das Bild des Dreifusses und das des schreitenden Apollo finden sich auf der Vorderseite der Münze im Relief, auf der Rückseite dagegen incus. Nur ausnahmsweise finden sich auf der Rückseite andere Bilder, wie Adler oder , Helm), die als Zeichen anderer, mit Croton verbundener Städte verstanden werden (sog. Allianz-Prägung). Auch für die Teilwerte wurde das anspruchsvole incuse Verfahren verwandt. Sie folgen dem von Korinth übernommenen Duodezimal-System, d.h. die Drachme war ein 1/3 Stater, der von 1/6- und 1/12-Stateren begleitet wurde. Bronzemünzen werden est ab der Wende vom 5. zum, 4. Jh. v. Chr. geprägt, ohne daß bisher deren Nominale vestanden werden. - Aus Münzfunden und Überprägungen wird der Beginn der Münzprägung von Croton in das zweite Quartal des 6. Jh. v. Chr. datiert; ein wenig später setzte um 525 v. Chr. die Münzprägung in Caulonia ein. Die Zerstörung von Sybaris im Jahr 510 v. Chr. war eine entscheidendes Datum für die Entwicklung der Münzprägung: ab Ende des 6. Jh. v. Chr. änderte sich die Form des Schrötlings; die incuse Prägetechnik wurde zwar beibehalten, der zuvor flache Schrötling wurde dicker und  gedrungener. Um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. schlossen sich - erst Croton, dann Caulonia - der in der übrigen griechischen Welt üblichen Münzprägung mit beiderseitigem Doppelrelief an.  Während das Emissionsvolumen in Croton zurückging und in Caulonia mit der Zerstörung im Jahr 389/( v. Chr. sogar endete, erlebte die Münzprägung in Terina eine Blütephase. Sie hatte um 460 v. Chr. eingesetzt und überdauerte auch die Einahme der Stadt durch die Bruttier in dem Jahr 356 v. Chr. In dieser Zeit erreichte die Münzprägung von Locri Epizephyrii, die  im Zusammenhang mit  den kriegerischen Auseinadersetzungen gegen die einheimischen Stämme und zuletzt gegen die Römer zu sehen ist, eine zunehmende Bedeutung. In der Zeit des Timleon wurden dort auch korinthische Statere ausgegeben, denen später Emissionen von Alexander dem Molosser (334- 330 v. Chr. ) und schließlich von Pyrrhos von Epiros (280-277 v. Chr.) folgten.

Literatur: N.K. Rutter, Greek Coinages of Southern Italy and Sicily, London 1997; C.M. Kraay, Archaic and Classical Greek Coins New York 1976 161-203; C.M. Kraay, Caulonia and South Italian Problems, NC 20 (1960) 53-82; J.P. Noe, The Coinage of Caulonia, ANS NS 9, New York 1958; K. Regling, Terina, Berlin 1906; H. Herzfelder, Les monnaies d`argent de Rhegion, Paris 1957; Istituto Italiano di Numismatica, Le Origin della Montazione di Bronzo in Sicilia e in Magna Grecia, Rom 1979, und La monetazione corinzia in Occidente, Roma 1993