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Sizilien ( außer Syrakus )

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Die Münzen der Griechen im Westen sind - was Prägetechnik,Standard und Nominalsystem betrifft - erstaunlich vielfältig. Als Tochterstädte ionisch-chalkidikischen oder dorischen Ursprungs brachten die sizilischen Städte bei ihrer Gründung Gesetze, Maße und Gewichte ihrer Heimatstädte mit sich. Die Kolonisten trafen zudem in Sizilien auf die einheimischen Sikuler und Elymer, zuletzt auch auf die im Osten siedelnden Karthager. Selinunt begann die Münzprägung mit flachen, korinthischen Didrachmen à 8.6 g, Himera und Naxos folgten mit flachen, chalkidikischen Didrachmen à 5.8 g, demgegenüber brachten Akragas, Gela und Kamarina gedrungene, attische Didrachmen à 8.6 g heraus, während die Münzprägung von Syrakus mit attischen Tetradrachmen à 17.2 g einsetzte. Unter dem Einfluß von Syrakus gingen alle Städte in der 2. Hälfte des 5. Jh. zur attischen Tetradrachme über, sogar später die punischen Städte mit ihren in Sizilien geprägten Silbermünzen. Die zum attischen Nominalsystem gehörenden Untereinheiten wurden zunächst nur wenig geprägt; als man dann mehr Silberkleingeld ausgab, folgte man nur seltem dem Obol- , sonder eher dem Litrasystem. Die  Litra à 0.87 g - eigentlich ein in das Silber umgerechtnetes lokales Bronzegewicht - wurde nach einheimischer Tradition in 12 Unzen geteilt: Hemilitra (0.43 g), Trias (0.29 g), Tetras (O.21 g), Hexas (0.14 g) und Onkia (0.07 g). Diese Nominale wurden häufig durch Punkte kenntlich gemacht. Um die Mitte des 5. Jh. begannen Akragas und Selinunt, zuerst gegossene, dann geprägte Bronzemünzen auszugeben. Himera, Segesta und Syrakus schlossen sich dem um 430/420, Gela, Kamarina, Leontini, Katane, Naxos und Messana zwischen 415 bis 405 an. Es waren vor alllem Tetranten, Hexanten und Onkien, gelegentlich auch Hemilitren. Das zugrunde liegende Gewicht der Litra betrug anfänglich 50 g, ging dann in der Zeit von 450 bis 420 auf 20 g und schließlich bis Ende des 5. Jh. auf nur noch 8 bis 9 g zurück. Der Wert der Bronzemünze beruhte schleßlich nicht mehr auf dem Metallswert, sondern leitete sich - als Kreditgeld - von der Möglichkeit des Umtauschs in Silbermünzen ab.

Insgesamt dauerte die Münzprägung - die von Syrakus und die der Karthager ausgenommen - nur etwa 1 1/2 Jahrhunderte. Innerhalb dieses Zeitraums bestimmten Zerstörungen und Kriege, Vertreibungen und Neugründungen die Prägetätigkeit der sizilischen Städte. Die Invasion der Karthager und die Machtübernahme durch Tyrannen um 480, der Übergang zur Demokratie um 460 und die Zerstörungen durch die Karthager Ende des 5. Jh. waren die historischen Wendemarken der Münzprägung der einzelnen Städte. Trotz Unheil und Not erreichte die sizilische Münzkunst in Klassischer Zeit, dank der Werke von Stempelschneidern wie Euainetos, Exakestidas, Herakleidas und anderen nicht signierenden Meistern, einen in der Kunstgeschichte kaum mehr erreichte Qualität.

Literatur:W. Giesecke, Sicilia Numismatica, Leipzig 1923; G.K.Jenkins, Coins of Greek Sicily, 2. edn.,London 1976; N.K. Rutter, Greek Coinages of Southern Italy and Sicily, London 1997; Chr. Boehringer, Bemerkungen zur Sizilischen Bronzeprägung im 5. Jh. v. Chr., Schweizer Münzblätter 28(1978) 49-64; Instituti Italiano di Numismatica, Le Origini della Monetazione di Bronzo in Sicilia e in Magna Grecia, Volume 25 degli Annali, Roma 1979 ;C.M. Kraay, The Archaic Coinage of Himera, Neapel 1984; U. Westermark/G.K. Jenkins, The Coinge of Kamarina, London 1980; G.K. Jenkins, The Coinage of Gela, Berlin 1970; G.K. Jenkins, Coins of Punic Sicily, Zürich 1997; M.C. Caltabiano, La monetazione di Messina, Berlin 1993; Arnold-Biucchi u.a.,A Greek Archaic Silver Hoard from Selinus, ANSMN 33(19889)1-35; Chr. Boehringer, Himera im IV. Jahrhundert v. Chr.,Kraay-Morkholm Essays, Louvain-la Neuve 1989,29-40;Zur Münzgeschichte von Leontini  in klassischer Zeit, Studies Price, London 1998, 43-53;Die Münzprägung von Katane Ende des 5. Jh., SNR 87(2008)5-21; H.A. Cahn, Die Münzen der sizilischen Stadt Naxos, Basel 1944; S.M. Hurter, die Didrachmenprägung von Segesta,Zürich 2008;

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Chr. Boehringer, Bemerkungen zur sizilischen Bronzeprägung im 5. Jh. v. Chr., SMBl. 28(1978)49