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Syrakus

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Syrakus übernahm von seiner Mutterstadt Korinth den attisch-euböischen Gewichtstandard. Das Hauptnominal war allerdings die Tetradrachme à 17.2 g. Daneben wurden im 5. Jh. v. Chr. Drachmen, Obole bzw. Litren und deren Teilwerte ausgegeben. Da es in Sizilien keine Silbervorkommen gab, spielte die Bronze als Währungsmetall - in Syrakus wie überhaupt in Sizilien - eine besondere Rolle. Die Bronze-Litra hatte anfänglich ein Gewicht von rd. 104 g. Bei einem Wertverhältnis von 120 zu 1 entsprach dieser Bronze-Litra eine Silber-Litra von 0.87 g. Syrakus emittierte erstaunlicherweise sowohl Silber-Obole nach dem attischen Nominalsystem als auch Silber-Litren auf der Bais des lokalen Gewichtssystems. Die Silber-Litra von 0.87 g war dem Gewicht des Silber-Obol mit 0.72 g recht nahe. 1 Drachme von 4.3 g machte 5 Litren, zugleich aber 6 Obole aus. Die Teilwerte der Litra folgten dem Duodezimalsystem, d.h. die Onkia war 1/12 der Litra. Wohl um den Unterschied zu den Teilwerten des Obols verständlich zu machen, wurden die Unternominale der Litra durch Punkte gekennzeichnet: Hemilitra 6, Trias 4, Tetras 3, Hexas 2 und Onkia 1 Punkt. Das der Münzprägung zugrunde liegende Litra-Gewicht wurde bei den Bronzemünzen allerdings schon in der 2. Hälfte des 5. Jh. von ca. 20 g auf nur noch 7-8 g reduziert.Diese Entwicklung fortsetzend, wurden ab Dionysios I ( 405 - 367) für das tägliche Leben auch höhere Nominale, wie die Drachme in Bronze à rd. 32 g, ausgegeben.- Die Münzprägung setzte nach der heute überwiegenden Auffassung in Syrakus um ca. 500 ein. Die erste Phase (500- 420 v. Chr.) wird nach E. Boehringer in 5 Gruppen und insgesamt 23 Reihen gegliedert. Den Eckpunkt dieser Entwicklung bildete das sog. Damareteion, das heute in die Jahre 470 - 465 v. Chr. datiert wird. Die Periode der berühmten "signierenden Künstler", wie Eumenes, Eukleidas, Kimon oder Euainetos, wird heute in die Jahre von ca. 420 bis ca. 400  v. Chr. angesetzt . Unter Dionysios I ( 405 - 367 v. Chr.) kam es zu einer grundlegenden Refom der Währung: Es wurde Münzen in den 3 Metallen Gold, Silber und Bronze  in festen Wertverhältnissen geprägt. Die Goldemissionen wurden in 4 Nominalen ausgegeben, während die Ausprägung von Silber auf die Dekadrachmen beschränkt wurde; Bronzemünzen wurden in drei Nominalen -  Drachme, Litra und Hemilitra - in Verkehr gebracht. Beginnend in der Zeit von Dionysios I bis Ende des 4. Jh. v. Chr. floß korinthisches Geld, die sog. Pegasi, nach Sizilien;Münzen korinthischen Typs, aber mit dem Stadtnamen von Syrakus, wurden in Syrakus geprägt. Nach Kriegen und Unruhen konnte erst wieder unter Agathokles (317-289) an die frühere Entwicklung angeknüft werden, indem Gold-, Silber- und Bronzemünzen, zuletzt mit dem Königstitel, ausgegeben wurden. Unter Hieron II (276-216 v. Chr.) erreichte die Münzprägung von Syrakus nochmals  mit der Dynastie-Prägung der Jahre um 218 v. Chr. einen letzten Höhepunkt. Literatur: N.K. Rutter, Greek Coinages of Southern er Italy and Sicily,London 1997; E.Boehringer, Die Münzen von Syrakus, Berlin 1929; C. Arnold-Biucchi, The Randazzo Hoard and the Chronology in the Early Fifth Century BC, ANSNS 18(1990); Chr. Boehringer, Der spätarchaische Münzfund von Camiso, SNR 89(2010)5-69;O.Th. Tudeer, Die Tetradrachmenprägung von Syrakus, Berlin 1913; J.H. Jonkees, The Kimonian Dekadrachms, Utrecht 1941; A. Gallatin, Syrakusan Dekadrachms of the Euainetos Type, Cambridge 1930; Chr. Boehringer, Die Münzprägung von Syrakus unter Dionysios: Geschichte und Stand der numismatischen Forschung, S. 65-91,sowie D. Bérend, Le Monnage d`or de Syracuse sous Denys I, S. 91-143 in Centro Internationale di Studi Numismatici, La monetazione dell`eta diogiana, Rom 1993; Centro Interantionale di Studi Numismatici, Roma 1993, "La monetazione corinzia in Occidente"; D. Bérend, De l`or d`Agathocles, in R. Ashton/S. Hurter (hrg), Studies Price, London 1998 S. 37-41;M. Ierardi, The Tetradrachms of Agathokles of Syracus, AJN 7-8 (1995/1996); M.C. Caltabiano u.a., Siracusa ellenistica, Messina 1997; R. Holloway, The Thirteen-Months Coinage of Hieronymos of Syracus, Berlin 1969; O.D. Hoover, The Handbook of Greek Coinage Series, Volume 2, Coins of Sicily, Lancaster/London2012.