Wissenswertes: StartseiteWissenswertesAbteilung

Punische Münzstätten in Sizilien, Karthago

Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronologie

Obwohl Karthago, der Vorposten Phöniziens im Westen, eine Stadt des Handels war, prägte es Münzen erst spät und dann meist nur aus militärischen Gründen. Kein hellenistischer Staat hat so viel Gold ausgeprägt wie Karthago. In den Kriegen auf Sizilien wurde zur Bezahlung der griechischen Söldner Silber ausgemünzt. Die Münzprägung fand nur zum Teil in Karthago statt, war also keineswegs zentralisiert. Punische Münzen wurden  - neben Sizilien - auch in Spanien, Sardinien und Süditalien geprägt. Die Gold- und Elektronmünzen wurden nach dem phönizischen Standard geschlagen: dem Shekel von 7.6 g.Es gab aber Unternominale: 1/2, 1/4, 1/5 und 1/10 Shekel sowie gebrochene Werte von 3/4, 4/5 und 1 1/2 Shekel. Die für die griechischen Söldner geprägten Münzen waren in der Regel Tetradrachmen attischen Standards.

Die ersten unter karthagischer Autorität geprägten Münzen waren Tetradrachmen attischen Stadards, die während der Kriege mit Dionysios I von Syrakus in der Zeit von 410-390 v. Chr. ausgegeben wurden (Münzbilder: Pferd/Palme). Im weiteren Verlauf des 4. Jh. v. Chr. wurden in Panormos, Lilybaion oder im Heer zur Finanzierung der Kriege gegen Syrakus und Timoleon große Mengen von Tetradrachmen (Münzbilder :Tanit-Persephone/ springendes Pferd, Pferdekopf, Löwe) in Verkehr gebracht. In die zweite Hälfte des 4. Jh. datieren die ersten Gold-Shekel (Münzbilder: Kore-Persephone/ stehendes Pferd) sowie die ersten Bronzeemissionen. Den Höhepunkt der Goldprägung stellen die Ende des 4. Jh. v. Chr. in 5 Nominalen ausgegebenen Goldmünzen(Tanit/stehendes Pferd) dar, deren Prägung in der Zeit der Kriege gegen Agathokles von Syrakus -allerdings bei einem bis zum Elektron sinkendem Goldgehalt - fortgesetzt wurde. In dieser Zeit wurden in Sizilien die letzten Tetradrachmen attischen Standards (Münzbilder: Herakles/Pferdekopf) und große Mengen von Bronzemünzen ( 6 g, 3 g und 1.5 g) in Verkehr gebracht. Nach einer Emissionspause von zwei Jahrzehnten wurden um 270 v. Chr. wieder Goldmünzen, dann während des 1. Punischen Kriegs (264-241 v. Chr.) sowohl Gold- als auch Silbermünzen ausgegeben, darunter ungewöhnlich schwere Goldmünzen von 12.5 g  und Silbermünzen im Nominalwert von 3, 5 und sogar 6 Shekel (Münzbilder: Tanit-Persephone, stehendes Pferd oder Pegasos). Die schwierige finanzielle Situation Karthagos führte schließlich aber zu einer Reduktion des Silber- und Goldgehalts. In der Krisenzeit um 237 bis 230 wurden schwere Bronzemünzen im Gewicht von 24, 12 und 6 g ausgegeben, bis die Münzprägung überhaupt aussetzte. In dem 2. Punischen Krieg (218-201 v. Chr.)  wurden wiederum Münzserien in den verschiedenen Metallen emittiert, aber keine so großen Nominale wie früher, zumal bei den Elektronmünzen der Goldgehalt bis auf 30% reduziert wurde und die Silbernominale immer mehr zu Bronzestücke wurden. Nach der Niederlage wurden 5 Jahrzehnte keine Edelmetallmünzen mehr ausgegeben. Im 3. Punischen Krieg kam es Mitte des 2. Jh. v. Chr. nur noch zu einer einzigen Gold-und Silberemission.  Literatur: P. Visona, Carthaginian Coinage in Perspective, AJN 10(1998) 1-27; G.K. Jenkins/R.B.Lewis, Carthaginian Gold and Electrum Coins, London 1963; G.K. Jenkins, Coins of Punic Sicily, SNR-Sonderdruck Zürich 1997.